der Trägheit befindet, dem Einzelnen, der da durchdringen sollte, ein sehrhoher Grad von Kraft der Tätigkeit beiwohnen müßte. Werden daher auchdie Fehler der Einzelnen noch so scharf ausgezeichnet, so ist dadurch der Grunddes Übels noch keineswegs entdeckt, noch wird er dadurch, daß diese Fehlerin der Zukunft vermieden werden, gehoben. Bleiben die Menschen fehlerhaft,so können sie nicht anders denn Fehler machen, und wenn sie auch die ihrerVorgänger fliehen, so werden in dem unendlichen Räume der Fehlerhaftigkeitgar leicht sich neue finden. Nur eine gänzliche Umschaffung, nur das Be-ginnen eines ganz neuen Geistes kann uns helfen. Werden sie auf desselbenEntwicklung mit hinarbeiten, dann wollen wir ihnen neben dem Ruhme desguten Willens auch noch den des rechten und heilbringenden Verstandes gernzugestehen. (Fichte, Reden an die deutsche Nation, 1807/1808.)
VERHÄLTNIS VON HANDELN UND BILDUNG BEI STEIN
Stein ist entsprungen aus einem der ältesten reichsritterlichen GeschlechterDeutschlands und hängt mit seiner Vorstellung innig an jenen Zeiten, woseine Vorfahren wie halbsouveräne Fürsten zum Reichsoberhaupt standen.Diese Richtung fesselte ihn an den Begriff der deutschen Nation. Von ihm warder Schritt leicht zu der englischen Nationalfreiheit und von dieser zum Stu-dium der englischen Politik, Staatswirtschaft und bürgerlichen Gesellschaft,und vielleicht hing hiermit wiederum zusammen, daß er sich eine Gemahlinaus einer Familie wählte, die an Britannien gefesselt ist.So begreift man, wie seine Liebe für Nationalfreiheit derart wurde, wie sie inihm lebt. Die erste Quelle hat allerdings eine Farbe von Eigensucht; doch werwill sie als die Hauptfarbe seines Charakters nehmen, da sie sich mit einer sogroßartigen Leidenschaft für einen Gegenstand wie Nationalfreiheit vermischthat? Ich halte mich an diese Leidenschaft in ihm und glaube der Wahrheitam treuesten zu sein. Ohne Berücksichtigung seines Vorteils ist er zurück-getreten, sobald er für die innere Freiheit Preußens und Deutschlands nichtnach seiner Überzeugung handeln konnte, und um alle Macht, welche ihmauch auf die Dauer nicht in Rußland entstehen mochte, ist er unbekümmertgewesen, sobald er einmal dem Sturm der Russen für die deutsche Freiheiteine Richtung gegeben hatte. Er will nirgend sein, als bei dem Banner unsrerNationalfreiheit, ihm liegt nichts an Herrschaft unter andern Nationen, undwollten wir ihn schelten, wenn er bei jenem nicht ohne Gefühl und Kraftdes deutschen Ritters stehen wollte? wenn ihn erfreuete zu hören, daß einervon den alten unmittelbaren Reichsfreiherrn vom Stein wieder für Adel undVolk der deutschen Gaue rüstig sei?
Die Welt weiß, daß alle britische Kultur, wenngleich von dem Atem der Frei-heit beseelt, auch das Kolorit der Eigensucht nicht vermeide. Vorzüglich anihrem Geist erwachsen, wie hätte Stein die seinige von einer eigensüchtigenFarbe frei erhalten sollen?
Seine ursprüngliche geistige Anlage war unverkennbar auf Ideen gerichtet,doch nur auf solche, die unmittelbar ins praktische Treiben eingreifen, undseine frühe Bestimmung für die Staatsgeschäfte lenkte seine Neigung auf das-
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