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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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jenige Ideale, was auf den Staat unmittelbar Anwendung litt. Bei dergeistigen Kraft, womit er dieses verfolgte, besaß er keine ausgezeichneteAnlage für Schönheit und innern Reichtum der Ideen, für die Kunst derDarstellung, und hätte er sie auch stärker besessen, so mußte er übersie wegeilen, bei seinem stets gespannten Eifer, ein praktisches Ziel zu er-reichen.

Den daher entstandenen Mangel nehmen solche Naturen wahr, die etwa selbsteine ästhetische Anlage in sich ausgebildet haben oder in dem Wahn stehen, daßder Mangel an Geschmack den Geist überhaupt ausschließe und alles Geniein der Genialität für das Schöne bestehe. Menschen der Art urteilen leicht,daß der Freiherr von Stein wohl ein rüstiger und kundiger Geschäftsmann,doch ohne ausgezeichneten Geist sei.

Wo der Sinn für Schönheit nicht von Natur mächtig und durch Übung sehrausgebildet ist, da wird bei einem heftigen Willen, starken Geist, ungestümenpraktischen Treiben kaum sittliche Zartheit in der Weise und der Ausführung,auch der rechtschaffensten Zwecke, in der Wahl der Mittel sein, und somitwird begreiflich, wie nicht nur heuchlerische und unsaubre, sondern sogar diefeinsten Seelen argwöhnisch gegen die durchgängige Rechtschaffenheit jenesStaatsmannes werden konnten.

Ja, man darf hinzufügen, daß bei dem einseitigen Genie für praktische Ideen,bei der Entfremdung gegen den Reichtum und die Weite der schönen, er un-ausweichlich mitunter gar zum Fanatismus getrieben wird, und wie kann eralsdann umhin, manche Menschen zu verkennen, manche gute Absicht selbstverbrecherisch zu finden? Nur weiß niemand ein Beispiel anzuführen, daßStein einen Vorteil für seine Person suchte, wenn er in fanatischer Anwand-lung einem andern Unrecht getan haben sollte.

Die Geschichte wird dereinst den angegebenen Gesichtspunkt läutern, weiterverfolgen, mit ihren Urkunden bekräftigen. (Karl Ludwig von Woltmann,Freiherr von Stein, 1821.)

STEIN UND DIE RUSSISCHE KAISERIN

Die alte Herrin und Kaiserin hatte sich auch erhoben, jetzt, bei der Nach-richt von dem Rückzuge und der Flucht der Feinde, von ihrem Schrecken er-löst, und hatte, von dem allgemeinen Siegesmut angesteckt, dem MinisterStein gegenüber ihre stolzen Württemberger Lippen ungefähr mit den Wortenaufgetan:Wenn jetzt noch Ein französischer Soldat durch die deutschenGrenzen entrinnt, so werde ich mich schämen eine Deutsche zu sein." Beidiesen Worten, so erzählte Uwaroff, sah man Stein im Gesicht rot und längsseiner großen Nase vor Zorn weiß werden, sich erheben, verneigen und in ge-flügelter Rede also erwidern:Euer Majestät haben sehr Unrecht, solches hierauszusprechen, und zwar über ein so großes treues tapferes Volk, welchemanzugehören Sie das Glück haben. Sie hätten sagen sollen, nicht des deutschenVolkes schäme ich mich, sondern meiner Brüder, Vettern und Genossen,der deutschen Fürsten. Ich habe die Zeit durchlebt, ich lebte in den Jahren1791, 1792, 1793, 1794 am Rhein; nicht das Volk hatte Schuld, man wußte

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