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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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einsähe und vermöchte, und alle übrigen von der Verwaltung der Staatenverdrängt. Wäre nun auch ein solcher Vorwurf gegründet: wer soll ihn aus-sprechen, und wozu ist es nötig, daß er gerade jetzt lauter und bitterer dennje ausgesprochen und verhandelt werde? Wir sehen, daß Schriftsteller es tun.Haben diese nun ehemals, als bei jenem Stande noch alle Macht und allesAnsehen mit der stillschweigenden Einwilligung der entschiedenen Mehrheitdes übrigen Menschengeschlechts sich befand, ebenso also geredet, wie siejetzo reden: wer kann es ihnen verdenken, daß sie an ihre durch die Erfahrungsehr bestätigte ehemalige Rede erinnern? Wir hören auch, daß sie einzelnegenannte Personen, die ehemals an der Spitze der Geschäfte standen, vor dasVolksgericht führen, ihre Untauglichkeit, ihre Trägheit, ihren bösen Willendarlegen und klar dartun, daß aus solchen Ursachen notwendig solche Wir-kungen hervorgehen mußten. Haben sie schon ehemals, als bei den Ange-klagten noch die Gewalt war, und die aus ihrer Verwaltung notwendig erfolgenmüssenden Übel noch abzuwenden waren, eben dasselbe eingesehen, was siejetzt einsehen, und es ebenso laut ausgesprochen, haben sie schon damalsihre Schuldigen mit derselben Kraft angeklagt und kein Mittel unversucht ge-lassen, das Vaterland aus ihren Händen zu erretten, und sind sie bloß nichtgehört worden: so tun sie sehr recht, an ihre damals verschmähte Warnungzu erinnern. Haben sie aber etwa ihre dermalige Weisheit nur aus dem Er-folge gezogen, aus welchem seitdem alles Volk mit ihnen ebendieselbe gezogenhat: warum sagen jetzt eben sie, was alle andern nun ebensowohl wissen?Oder haben sie vielleicht gar damals aus Gewinnsucht geschmeichelt oderaus Furcht geschwiegen vor dem Stande und den Personen, über die jetzt,nachdem sie die Gewalt verloren haben, ungemäßigt ihre Strafrede herein-bricht: o, so vergessen sie künftig nicht unter den Quellen unserer Übel nebendem Adel und den untauglichen Ministern und Feldherren auch noch die po-litischen Schriftsteller aufzuführen, die erst nach gegebenem Erfolge wissen,was da hätte geschehen sollen, so wie der Pöbel auch, und die den Gewalt-habern schmeicheln, die Gefallenen aber schadenfroh verhöhnen!Oder rügen sie etwa die Irrtümer der Vergangenheit, die freilich durch alle ihreLüge nicht vernichtet werden kann, nur darum, damit man sie in derZukunft nicht wieder begehe, und ist es bloß ihr Eifer, eine gründliche Ver-besserung der menschlichen Verhältnisse zu bewirken, der sie über die Rück-sichten der Klugheit und des Anstandes so kühn hinwegsetzt? Gern möchtenwir ihnen diesen guten Willen zutrauen, wenn nur die Gründlichkeit der Ein-sicht und des Verstandes sie berechtigte, in diesem Fache guten Willen zu haben.Nicht sowohl die einzelnen Personen, die von ohngefähr auf den höchstenPlätzen sich befunden haben, sondern die Verbindung und Verwicklung desGanzen: der ganze Geist der Zeit, die Irrtümer, die Unwissenheit, Seichtig-keit, Verzagtheit und der von diesen unabtrennliche unsichere Schritt, die ge-samten Sitten der Zeit sind es, die unsere Übel herbeigeführt haben. Träumeman weniger von überlegter Bosheit und Verrat! Unverstand und Trägheitreichen fast allenthalben aus, um die Begebenheiten zu erklären, und dies isteine Schuld, von der keiner ohne tiefe Selbstprüfung sich ganz lossprechensollte, da, zumal wo in der ganzen Masse sich ein sehr hohes Maß von Kraft

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