Deutschlands, ein Jubelruf der Freude brach überall aus. Durch zweihundertJahre hatten die Franzosen dem vielgeteilten Land große Unbill zugefügt,grade jetzt begann das deutsche Wesen sich gegen den Einfluß französischerBildung zu setzen, und jetzt hatte der König, der selbst die Pariser Verse sosehr bewunderte, die Pariser Generäle so unübertrefflich mit deutschen Kugelnweggescheucht. Es war ein so glänzender Sieg, eine so schmachvolle Nieder-lage der alten Feinde, es war eine Herzensfreude überall im Reich. Auch wodie Soldaten der Landesherren gegen König Friedrich im Felde lagen, jubeltendaheim Bürger und Bauer über seine deutschen Hiebe. Und je länger derKrieg dauerte, je lebhafter der Glaube an die Unüberwindlichkeit des Königswurde, desto mehr erhob sich das Selbstgefühl der Deutschen. Seit langen,langen Jahren fanden sie jetzt einen Helden, auf dessen Kriegsruhm sie stolzsein durften, einen Mann, der mehr als Menschliches leistete. Unzählige Anek-doten liefen von ihm durch das Land, jeder kleine Zug von Ruhe, guter Laune,Freundlichkeit gegen einzelne Soldaten, von der Treue seines Heeres flogHunderte von Meilen. Wie er in Todesnot die Flöte im Zelte blies, wie seinewunden Soldaten nach der Schlacht Choral sangen, wie er den Hut vor einemRegiment abnahm, das wurde am Neckar und Rhein herumgetragen, gedruckt,mit frohem Lachen und mit Tränen der Rührung gehört. Es war natürlich,daß die Dichter sein Lob sangen, waren doch drei von ihnen im preußischenHeere gewesen, Gleim und Lessing als Sekretäre kommandierender Generäle,und Ewald von Kleist, ein Liebling der jungen literarischen Kreise, als Offi-zier, bis ihn die Kugel bei Kunersdorf traf. Die alten Provinzen, Preußen,Pommern, die Marken, Westfalen, litten unsäglich durch den Krieg, aber diestolze Freude, Anteil an dem Helden Europas zu haben, hob auch den kleinenMann oft über das eigene Leiden heraus. Der bewaffnete Bürger und Bauerzog jahrelang immer wieder als Landmiliz ins Feld. Als eine Anzahl Rekrutenaus dem Cleveschen und der Grafschaft Ravensberg nach verlorenem Treffenfahnenflüchtig wurde und in die Heimat zurückkehrte, da wurden die Aus-reißer von ihren eigenen Landsleuten und Verwandten für eidbrüchig erklärt,verbannt und aus den Dörfern zum Heere zurückgejagt.Nicht anders war das Urteil im Ausland. In den protestantischen Kantonender Schweiz nahm man so warmen Teil an dem Geschick des Königs, alswären die Enkel der Rütlimänner nie vom deutschen Reich abgelöst worden.Es gab dort Leute, die vor Verdruß krank wurden, wenn die Sache des Königsschlecht stand. Ebenso war es in England. Jeder Sieg des Königs erregte inLondon laute Freude, die Häuser wurden erleuchtet, Bildnisse und Lobge-dichte feilgeboten, im Parlament verkündigte Pitt bewundernd jede neueTat des großen Verbündeten. Selbst zu Paris war man im Theater, in den Ge-sellschaften mehr preußisch als französisch gesinnt. Die Franzosen spottetenüber ihre eigenen Generäle und die Clique der Pompadour, wer dort für diefranzösischen Waffen war, so berichtet Duclos, durfte kaum damit laut wer-den. In Petersburg war Großfürst Peter und sein Anhang so gut preußisch,daß dort bei jedem Nachteil, den Friedrich erhalten, in der Stille getrauertwurde. Ja, bis in die Türkei und zum Khan der Tataren reichte die Begeiste-rung. Und diese Pietät eines ganzen Weltteils überdauerte den Krieg. Dem
23 Wolters, Der Deutsche. 111,3.
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