waren seine heftigsten Feinde. Gerade jetzt, in diesen Jahren des wechseln-den Geschickes, wo der König selbst so bittre Zufälle des Schlachtenglückserlebte, wurde seine Kriegsführung das Staunen aller Heere Europas. Wie erseine Linien gegen den Feind zu stellen wußte, immer als der Schnellere undGewandtere, wie er so oft in schräger Stellung den schwächsten Flügel desFeindes überflügelte, zurückdrängte und zusammenwarf, wie seine Reiterei,die, neu geschaffen, zu der ersten der Welt geworden war, in Furie über denFeind stürzte, seine Reihen zerriß, seine Haufen zersprengte, das wurde über-all als neuer Fortschritt der Kriegskunst, als die Erfindung des größten Geniesgepriesen. Taktik und Strategie des preußischen Heeres wurden für alle Ar-meen Europas fast ein halbes Jahrhundert Vorbild und Muster. Einstimmigwurde das Urteil, daß Friedrich der größte Feldherr seiner Zeit sei, daß es vorihm, solange es eine Geschichte gibt, wenig Heerführer gegeben, die mit ihmzu vergleichen wären. Daß die kleinere Zahl so häufig gegen die Mehrzahlsiegte, daß sie auch geschlagen nicht zerschmolz, sondern, wenn kaum derFeind seine Wunden geheilt, so drohend und gerüstet wie früher ihm gegen-übertrat, das schien unglaublich. Wir aber rühmen nicht die Kriegsführungdes Königs allein, auch die kluge Bescheidenheit, mit welcher er seine Linear-taktik handhabte. Er wußte sehr gut, wie sehr ihn die Rücksicht auf Maga-zine und Verpflegung beengte und die Tausende von Karren, auf denen erLebensmittel und die Tagesbedürfnisse der Soldaten mit sich führen mußte.Aber er wußte auch, daß diese Art der Kriegsführung für ihn die einzige Ret-tung war. Einmal, als er nach der Schlacht bei Roßbach den bewunderns-werten Marsch nach Schlesien machte, 41 Meilen in 15 Tagen, da in der höch-sten Gefahr verließ er sein altgewohntes Verfahren, er zog durch die Länder,wie jetzt andere Armeen, er ließ die Leute von den Wirten verpflegen. Abersogleich kehrte er wieder weise zu dem alten Brauch zurück. Denn sobaldseine Feinde ihm diese freie Bewegung nachmachen lernten, war er sicherverloren. Wenn die alte Landesmiliz in seinen alten Provinzen wieder auf-stand, die Schweden verjagen half und Kolberg und Berlin tapfer verteidigte,so ließ er sich das zwar gerne gefallen, aber er hütete sich sehr, den Volkskriegzu ermuntern, und als sein ostfriesisches Landvolk sich selbstkräftig gegendie Franzosen erhob und von diesen dafür hart heimgesucht wurde, ließ erihm rauh sagen, es sei selbst schuld daran; denn der Krieg sollte für die Sol-daten sein, für den Bauer und Bürger die ungestörte Arbeit, die Steuern, dieAushebung. Er wußte wohl, daß er verloren war, wenn ein Volkskrieg inSachsen und Böhmen gegen ihn aufgeregt wurde. Gerade diese Beschränkungdes umsichtigen Feldherrn auf die militärischen Formen, welche ihm alleinden Kampf möglich machten, mag zu seinen größten Eigenschaften gerechnetwerden.
Immer lauter wurde der Schrei der Trauer und Bewunderung, mit welchenDeutsche und Fremde diesem Todeskampf des umstellten Löwen zusahen.Schon im Jahre 1740 war der junge König von den Protestanten als Partei-gänger für Gewissensfreiheit und Aufklärung gegen Verfolgungssucht undJesuiten gefeiert worden. Seit er wenige Monate nach der Schlacht bei Kolindie Franzosen bei Roßbach so gründlich geschlagen hatte, wurde er der Held
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