halten. Aber was er dafür forderte, nach dem, was wider ihn geschehen war,schon der eigenen Sicherheit wegen fordern mußte, war sie entschlossen, inkeinem Fall zu opfern, sie hätte ja, indem sie die Macht ihres Hauses schwächte,den, der ihr für ihren Todfeind galt, doppelt verstärkt, sie hätte sich in ihrerHofburg zu Wien nicht mehr sicher gefühlt, wenn Breslau in seiner Gewaltblieb, sie hätte ihr Seelenheil verloren geglaubt, wenn sie die Gläubigen Schle-siens in des Ketzers Händen gelassen hätte.
Es war auch ein Stück deutschen Geschickes, daß diese beiden, unter denfürstlichen Häuptern Deutschlands gleich seltene, gleich echte Gestalten,gleichsam die Typen der einen und anderen Seite der deutschen Art, widerein-ander standen.-------
Immer wird man die Kühnheit, die Energie, die stolze Leidenschaftlichkeitbewundern, mit der Maria Theresia den Kampf um das Erbe ihrer Väter undum die Kaiserkrone geführt hat, und daß sie ihre Völker zu den Waffen rief,daß in diesem langen und tiefaufregenden Kriege ihr im vollsten Maße volks-tümliches Schalten in ihren Landen ein neues Leben entzündete, daß sie aufdieser Grundlage das bisher lose und zufällige Beieinander ihrer Krön- undErblande zu Einer Monarchie umzubilden begann, das ist der eigenste Ruhmdieser großen Fürstin. (Johann Gustav Droysen, Geschichte der preußischenPolitik, 1855/1886.)
ERWACHEN DES DEUTSCHEN SELBSTVERTRAUENSDURCH FRIEDRICH
Gleich bei dem ersten Zusammentreffen mit den Österreichern, den altenFeinden, sah er, daß auch sie von ihm gelernt hatten und andere gewordenwaren. Bis zum äußersten spannte er seine Kraft, und bei Kolin versagtesie ihm. Der 18. Juni 1757 ist der verhängnisvollste Tag in Friedrichs Leben.Dort begegnete, was ihm noch zweimal in diesem Kriege den Sieg entriß: derFeldherr hatte seine Feinde zu gering geachtet, er hatte seinem eigenen tapferenHeere das Übermenschliche zugemutet. Nach einer kurzen Betäubung hobsich Friedrich in neuer Kraft. Aus dem Angriffskriege war er auf eine ver-zweifelte Abwehr angewiesen, von allen Seiten brachen die Gegner gegen seinkleines Land, mit jeder großen Macht des Festlandes trat er in tödlichenKampf, er, der Herr über nur vier Millionen Menschen und über ein geschla-genes Heer. Jetzt bewährte er seine Feldherrnbegabung, wie er sich nachVerlusten den Feinden entzog und sie wieder packte und schlug, wo man ihnam wenigsten erwartete, wie er sich bald dem einen, bald dem anderen Heereentgegenwarf, unübertroffen in seinen Anordnungen, unerschöpflich in seinenHilfsmitteln, unerreicht als Führer und Schlachtenherr seiner Truppen. Sostand er, einer gegen fünf, gegen Österreich, Russen, Franzosen, von denenjeder einzelne der Stärkere war, zu gleicher Zeit noch gegen Schweden und dieReichstruppen. Fünf Jahre lang kämpfte er so gegen eine ungeheure Über-macht, jedes Frühjahr in Gefahr, allein durch die Massen erdrückt zu werden,jeden Herbst wieder befreit. Ein lauter Ruf der Bewunderung und des Mit-gefühls ging durch Europa. Und unter den ersten widerwilligen Lobrednern
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