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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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PREUSSISCHER UND HABSBURGISCHER HERRSCHAFTSWILLE

Dieser junge Monarch, der als Kronprinz an den Höfen nah und fern so vielmitleidige Teilnahme gefunden, dessen ausschließlich literarisches und künst-lerisches Interesse eine Regierung ohne jeden politischen oder militärischenEhrgeiz zu verbürgen schien, auf dessen Dankbarkeit die einen, auf dessenUnerfahrenheit und Leitbarkeit die andern rechnen zu dürfen gemeint hatten, er täuschte alle Berechnungen, alle Erwartungen. Er schien sich darinzu gefallen, daß er mit jedem Tage rätselhafter wurde. Er wich denen aus,die sich um ihn bemühten, und wies die zurück, die sich ihm nützlich zu machenwünschten. Die ihn schon sicher zu haben meinten, verloren ihn im nächstenAugenblick, wie ein Proteus verwandelte er sich vor ihren Augen, unter ihrenHänden. Es war nicht zu begreifen, was er damit wolle, fast schien es nur einSpiel seiner Laune, die lachende Lust übermütiger Jugend, der Kitzel, dieWelt von sich reden zu machen, und während er immer das tat, worauf manam wenigsten gefaßt war, es in völlig ungewohnten Formen tat, alle Regeln,alles Herkommen, selbst die zwischen den Höfen hergebrachte Courtoisiehinter sich warf, wagte doch niemand, ihm in den Weg zu treten, oder mantat es, wie der Lütticher Bischof, Kurmainz, der Wiener Hof, zu eigenemSchaden. Es wuchs das peinliche Gefühl, daß dieser junge Herr sich sehr vielerlaube und leider erlauben dürfe, die Sorge, wo das endlich hinaus wolle, obes wirklich so weitergehen, ob es noch ärger werden könne. Der Boden, aufdem man stand, schien nicht mehr fest zu sein, seit dieser Alcibiades über

die Armee und den Schatz seines Vaters verfügte.--------

Nur die junge Königin von Ungarn war in ihrer Art, freilich in sehr andernGaben und Stärken, Friedrich dem Zweiten, wenn der Ausdruck erlaubt ist,ebenbürtig. Auch sie wußte, was sie wollte, und sie wollte es mit aller Leiden-schaft, um jeden Preis, rücksichtslos. Sie glaubte an ihre Sache, sie wagte es da-rauf, unbeirrt um die Bedenken, ob sie durchzuführen sei, die die vorsichtigerenunter ihren Räten erhoben, unbekümmert um die Rechtserörterungen, die ihreGegner ihr entgegenstellten, in dem echt politischen Gefühl, daß die ihr ver-erbte Macht des Hauses Österreich etwas anderes sei, als eine Summe von Erb-rechten und Besitztiteln. Darum ihr tiefer Groll gegen den, der sich gegen siegewandt, als sei nicht ihr Recht, sondern ihre Macht nichts, der ihr zugemutethatte, was sie für Erniedrigung hielt. Er in der militärischen und politischenÜberlegenheit der Offensive, sie in der moralischen und herzgewinnenden derVerteidigung, so rangen sie gegeneinander, sie mit wachsender Glut des Hasses,voll Stolz, zu allem Äußersten bereit, unversöhnlich, er kalten Blutes, beialler Kühnheit vorsichtig, seine Mittel berechnend, sie durch keinen Miß-erfolg zu entmutigen, er auch in der Fülle des Erfolges maßhaltend. Sie verab-scheute in ihm den Frevler, derdie Bande der menschlichen Gesellschaftzerriß", den Ketzer, den Gottesleugner, der alles, was Recht und Herkommengeheiligt, über den Haufen stürzen wolle, er beklagte ihren Hochmut, ihreVerblendung, weder der Macht der Tatsachen noch der nüchternen Erwägungvon Gewinn und Verlust sich fügen zu wollen. Sie hätte am liebsten Preußenzerstückt und vernichtet, er bot immer von neuem die Hand, Österreich zu er-

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