hiervon ist zwar so schwer nicht zu finden. Indessen, wenn man die Mittelangeben will, wie einem Übel abzuhelfen, so ist doch allemal gut, sie nocheinmal aufzusuchen und mit Aufmerksamkeit zu betrachten. Erst müssen wiraber sehen, wodurch die großen Städte den kleinen so vieles abgewonnenhaben und noch abgewinnen. Der erste Meister, der es in einer großen Stadtso hoch brachte, daß er dreißig, vierzig und mehr Gesellen halten konnte,verfiel ganz natürlicherweise auf den Gedanken, jedem Jungen oder Gesellensein eigenes Fach anzuweisen und denselben dazu ganz allein zu gebrauchen.So unterrichtete ein Uhrmacher zuerst einen Gesellen bloß in der Kunst, dieUhrfedern zu machen, ein andrer durfte nichts als Stifte, und ein andrer nichtsals Räder arbeiten. Dieser verfertigte Zifferblätter, jener emaillierte sie, undein anderer machte Gehäuse dazu, die wiederum ein anderer gravierte oderdurch getriebene Arbeit verschönerte. Wie alle diese Gesellen ausgelernthatten, verstand keiner, eine ganze Uhr zu machen. Sie blieben also, wie siesich besonders setzten und heirateten, von dem Hauptuhrmacher abhängigund gezwungen, sich unter ihm an dem großen Orte aufzuhalten, wo er seinenMarkt aufschlug. Ebenso machte es der Tischler. Er hatte fünfzig und mehrGesellen: der eine lernte nichts als Stuhlbeine schneiden, der andere lernte sieausarbeiten und der dritte polieren. Nach einer notwendigen Folge behielter diese seine Gesellen, wie sie alle Haarklauber in ihrer Art und Meister fürsich waren, als Taglöhner neben sich; oder, wo sie sich verändern wollten,mußten sie an einen ebenso großen Ort gehen, wo sie andern Hauptmeistern
in die Hand arbeiten konnten.-------
Das Besonderste dabei ist, daß alle Handwerker zugleich ausgeartet und derfliehenden Handlung nachgefolgt sind. Man sehe nur auf die alten Arbeitenan Altären, Einfassungen der Reliquien, Monstranzen, Kelchen, Bechern unddergleichen, auf die Kästlein von Ebenholz, auf die Kunstwerke von Elfen-bein und auf verschiedene andere getriebene, geschnitzte, eingelegte und durch-gearbeitete Stücke, welche sich noch hie und da in Kabinetten finden, manbetrachte nur einige Denkmäler der Malerei, Bildhauerkunst und Baukunst,so uns aus dem 14. und 15. und 16. Jahrhundert noch übrigsind, man gedenkean das Dauerhafte, Kühne und Prächtige der gotischen Stücke, welche umdeswillen, daß sie nach einem besonderen Zeitgeschmack gearbeitet sind,ihren Kunstwert nicht verloren haben: so wird man sehen, daß zur Zeit derhanseatischen Handlung eine Periode in Deutschland gewesen, worin es diegrößten Meister in jedem Handwerk gegeben habe. Und man kann dreistebehaupten, daß die Deutschen die Handlung und den damaligen gotischenStil der Kunst zu gleicher Zeit aufs höchste gebracht hatten. Man würde jetztMühe haben, einen einzigen solchen Meister in Ebenholz, Elfenbein und Silberwieder aufzubringen, dergleichen vor dreihundert Jahren in allen Städtenangetroffen wurden. Fast alle deutsche Arbeit hat zu unserer Zeit etwasUnvollendetes, dergleichen wir an keinem alten Kunststück antreffen. (JustusMoser, Patriotische Phantasien, 1774.)
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