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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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mehr und mehr verfallen unter dem Drucke der immer übermächtiger wer-denden landesherrlichen Gewalt. Eine einheitliche Handelspolitik für dasganze Deutschland gehörte schon längst in das Reich der Chimäre, ein fort-währender innerer Krieg der materiellen Interessen fand zwischen den ein-zelnen Territorien statt und lähmte die nationale Gewerbskraft. Und nebenallen diesen Hindernissen innerer Entwicklung, zu denen endlich noch dieVerwüstungen der Religionskriege des 16. und 17. Jahrhunderts kamen, hattenauch die äußeren Verhältnisse sich für den deutschen Handel in den letztenJahrhunderten immer ungünstiger gestaltet. Die Entdeckung Amerikas unddie Auffindung des Seeweges nach Ostindien hatten den allgemeinen Verkehr,welcher bis dahin sich nur in den engeren Kreisen zwischen den Küsten derOst- und Nordsee und höchstens des mittelländischen Meeres bewegte, in weite,fast ungemessene Bahnen hinausgewiesen, hatten ihm das Weltmeer geöff-net und neue Erdteile voll ungeahnter Schätze aufgeschlossen. Die Vorteiledieses Welthandels kamen natürlich jenen Ländern am ersten zugute, derengeographische Lage sie in diesem neueröffneten Wettlauf vorzugsweise be-günstigte. Die Städte an der deutschen Ostsee, selbst die an der Nordseesahen sich überflügelt von der Schiffahrt der Länder, welche unmittelbar anden großen Ozean grenzten, wie Portugal, Spanien, Frankreich, England undHolland. Ungleich mehr noch verloren die großen Binnenhandelsstädte Augs-burg, Nürnberg, Ulm, Regensburg, welche früher den Verkehr des Ostensmit dem Westen vermittelt hatten. Denn dieser Verkehr wandte sich nun,den beschwerlicheren und langsameren Landweg verlassend, zum größtenTeil dem leichteren Seeweg zu. Dazu kam, daß mehrere der mit Deutsch-land rivalisierenden Handelsstaaten, namentlich England, durch eine wohl-berechnete nationale Handelspolitik ihren Gewerben und ihrer Schiffahrteinen Schutz angedeihen ließen, an welchen in Deutschland bei der gänzlicheninneren Zerklüftung dieses Reiches nicht zu denken war. Denn das Einzige,wodurch die Reichsgewalt bisweilen ihre oberherrlich ordnende Macht aufhandelspolitischem Gebiete betätigte, waren Handelsverbote, gerichtet gegensolche Staaten, mit denen nicht sowohl das Reich, als der Kaiser und das HausHabsburg im Kriege waren, wie 1703 das Verbot des Handels mit Spanienund Frankreich, welches den Verkehr der Reichsstädte (die andern Reichs-stände kehrten sich wenig daran) schwer beeinträchtigte, aber trotz derenVorstellungen nicht eher, als beim Rastatter Frieden (1714) aufgehobenward.

So lagen denn Handel und Gewerbe am Anfange des 18. Jahrhunderts fastallerwärts in Deutschland tief darnieder und fingen nur erst langsam wiederan, sich zu erheben. (Karl Biedermann, Deutschland im achtzehnten Jahr-hundert, 1854/1880.)

VERFALL DES HANDWERKS

Die Handwerker in kleinen und mäßigen Städten nehmen immer mehr undmehr ab, ihre Aussicht wird täglich trauriger, und die natürliche Folge davonist, daß sie sich zuletzt in lauter Pfuscher verwandeln müssen. Die Ursache

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