französische Leichtigkeit und Witzigkeit, das leicht liebenswürdige Spielenmit Kleinigkeiten, wodurch die Franzosen sich und die Fremden oft so an-mutig unterhalten können, diese konnte der Deutsche nun einmal nimmer er-langen, er bekam mit der sogenannten französischen Klassizität, mit jenemtrockenen Dinge, was der Franzose seine Regelmäßigkeit und Gesetzmäßig-keit auf dem Gebiete der schönen Künste nennt, nur die wälsche Trockenheitund Magerkeit, die bei ihm in die geistloseste Dürftigkeit ausartete. Dazukam die Plage der stehenden Heere, die seit Ludwig dem Vierzehnten eineUnvermeidlichkeit waren, und die Art ihrer Werbung, Erhaltung und Zu-sammenhaltung. Wer will aller der Scheußlichkeiten und Greulichkeitenim einzelnen wieder gedenken, die von den Jahren 1650 bis 1780 bei uns undin Europa geherrscht und gewaltet haben und wobei und worunter viele sichdoch noch ein menschliches, christliches, deutsches Leben denken konnten?Wer hätte solche Zustände ertragen können, dem die frühere Zeit, selbst diedes sechzehnten Jahrhunderts, noch nicht wie mit ewiger Nacht bedeckt ge-wesen wäre? Welche allgemeine Knechtschaft, welche allgemeine Ernied-rigung des Volks? welche Häßlichkeit, Steifheit und Losheit und Liederlich-keit in den Sitten und Grundsätzen 1 welche greuliche, zugleich rohe und üppigeHofhaltung und unverschämte Wirtschaften! Man denke nur statt aller andernan Dresden und Stuttgart, und so stand es abwärts bis zu den Kleinsten indiesen Geschlechten hinunter. Und die Höfe der Erzbischöfe und Bischöfe,die Haushaltungen der Abteien und Klöster? Man fühlte sich ganz behag-lich in diesem nichtigen, knechtischen, wälschen, ehrvergessenen und tugend-vergessenen Leben, und leben und leben lassen, das war der Brauch und Klangdes Tages. In dieser Art lag Europa darnieder, Deutschland dem Scheine nachwohl am ärgsten eben wegen seiner bunten zerrissenen Mannigfaltigkeit.Kaum daß noch einzelne Namen von Helden und großen Männern durch dieseklanglose und seelenlose Wüstenei hindurchklingen, Leibniz, der großeKurfürst Friedrich Wilhelm, der König von Preußen Friedrich Wilhelm derErste, Prinz Eugenius von Savoyen, Leopold von Dessau, endlich Friedrichder Zweite. Dieser letzte große Mann hatte sich aus deutschem Mute unddeutschem Blute wenigstens einen grünsten Lorbeerkranz des Ruhms ge-flochten und gezeigt, was mit deutschen Herzen und Fäusten auszurichtensei; aber die Erstarrung konnte er nicht heben, es mußten Wetter von Gottkommen, ungeahndete, plötzliche, fürchterliche Wetter gleich Vulkanen undSchneelawinen, um den alten hemmenden und alle Aussichten und Bewe-gungen hindernden Schutt, welchen Jahrhunderte aufgehäuft hatten, unterWeh- und Jammergeschrei der Überfallenen und Fliehenden wegzuräumen.(Ernst Moritz Arndt, Versuch in vergleichender Völkergeschichte, 1843.)
NIEDERGANG VON HANDEL UND GEWERBE
Deutschlands Handel und Gewerbe, einst so blühend in den Zeiten der welt-gebietenden Hansa, war von dieser hohen Stufe in den letzten Jahrhundertentief herabgesunken. Die alte Macht und Freiheit der großen Reichsstädte,vordem der alleinige Träger deutscher Handelsgröße und Gewerbekraft, war
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