wurden alle diese Elemente noch durch lebhafte Färbung einzelner Teile ge-hoben. Besondere Aufmerksamkeit endlich verwendete man auf die Haupt-türen und auf die „Beischläge", jene eigentümlichen Terrassen, die als Über-wölbungen der Kellerhälse den Häusern in ihrer ganzen Breite nach derStraße zu vorlagen und aneinanderstoßend eine Reihe von willkommenenPlätzen für den nachbarlichen Verkehr und das freiere Spiel der Kinder ge-währten; sie wurden als wahre Schmuckstücke behandelt und mit oft kost-baren Geländern von Schmiedeeisen oder Marmor und mit schönen Freitreppenausgestattet. — Einzelne dieser Häuser waren so hoch, daß man auf ihrenDächern Plattformen zum Genüsse einer weiten Aussicht anlegte. Da konnteman mit Behagen über die Befestigungen der Stadt weg das reiche Grün derVorstädte erblicken: die Gärten und Villen von Strieß, Schidlitz und Lang-fuhr, das aufblühende Schottland und die Anmut des Bischofs- wie des Hagel-berges; oder man verfolgte den stillen Zug der Segelschiffe aus der Mottlaudie Weichsel entlang nach Neufahrwasser, von wo die Ostsee herübertönteund schimmerte. Wen es dann nach einem Spaziergange vor die Tore lüstete,der mochte sich durch die baumbepflanzten Straßen und über die Märkte nachden weiten Plätzen des Glacis bewegen und sich an den Hantierungen, diedort zwischen den Holzbauten und Palissaden betrieben wurden, vergnügenoder auch am Anblick des Stadtgalgens der Gewähr bürgerlicher Sicherheitund einer prompten Rechtspflege sich getrösten. (Wolfgang von Oettingen,Daniel Chodowiecki, 1895.)
VERSTUMMEN DER DEUTSCHEN KRÄFTEIM 17. UND 18. JAHRHUNDERT
Unser, der Deutschen, war die Weltherrschaft über 800 Jahre, vom Jahr 400bis zum Jahr 1250. Karl der Große im achten Jahrhundert trieb und zwang diegermanischen Stämme zusammen, im neunten Jahrhundert ward ein beson-deres deutsches Reich, vom zehnten bis dreizehnten Jahrhundert war diesesReich das Oberreich Europas. Da hätte man keine Bilder gefunden für dievom Himmel gefallenen zarten Sonnenkinder. Stellt euch eure herrlichenVäter vor, als ihrer 20000, den Friedrich Rotbart und Heinrich den Löwenan der Spitze, an der Tiberbrücke standen, denkt euch die ritterlichen hohenMänner und ihren Stolz. Die Römer im Aufruhr drangen bewaffnet mit un-geheurem Geschrei heran und verlangten für den Einlaß über die Brücke indie Stadt Gaben und Ehren als die, welche dem Weltherrscher den Glanzgäben. Da rief ihnen der Löwe im Zorn zu: Was, ihr die Herren? ihr gebt demWeltherrscher den Glanz? Schaut hierher! hier stehen die Herren, welchenGott Rom und die Länder gegeben hat. — Und die Deutschen fuhren mitStangen und Schwertern drunter und die prahlerischen Haufen wurden aus-einander gesprengt. Mit dem dreizehnten Jahrhundert verging die deutscheHerrlichkeit, im Kampfe mit Italien und den Päpsten wurden die mächtig-sten Geschlechter ausgerottet, um deren Glanz und Macht als um einen Mittel-punkt das deutsche Volk sich hätte sammeln und zusammenhalten können.Das große Deutschland zerfiel in hundert und tausend Kleinigkeiten, der Name
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