jedes auf seine Art, den Verkehr in den Kanälen und mit den Vororten besorg-ten. Da reisten in ihren Tarantassen, Telegen und Kibitken die bärtigen Kauf-herren auf dem Landwege aus Rußland heran, oft in Begleitung ihrer selt-sam und reich geputzten Frauen; da stand neben dem breiten Holländer, demkorrekten Briten, dem vorsichtigen Deutschen der polnische adlige Grund-besitzer in seiner malerischen Tracht, zwar den ritterlichen Säbel an der Seite,aber im Korn- und Pferdehandel seinen Vorteil schlau erspähend oder sichGeld gegen Wucherzinsen auswirkend vom unentbehrlichen Adoptivlands-mann im Kaftan und mit den langen Ohrlocken, der in allen Gattungen reich-lich vorhanden war. Noch bunter und lärmender wurde dies Treiben durchdie polnischen, litauischen, wendischen, kassubischen Bauern, die besondersim August, zur großen Dominiksmesse, scharenweise zur Stadt kamen, unddurch die Floßknechte, welche die Schiffahrt aus dem Innern des Landes herbetrieben. Dieses leibeigene Volk von der äußersten Armut, in leinenenKitteln, mit eisenbeschlagenen Sandalen an den Füßen und die kahlrasiertenKöpfe in Strohhüten vor der Sonne bergend, gab sich der schweren Arbeitwie dem einfachen Vergnügen mit demselben glücklichen, kindlichen Tempe-ramente, singend, schwatzend, womöglich auch trinkend und tanzend hin underfüllte die Luft mit seinen schnell entstandenen und schnell beigelegten Streitig-keiten. Wandte man sich aber von den Schauplätzen dieses Durcheinandersund von den turmartigen Kranen, welche die Warenballen auf und niederschrotend so recht sichtbar die Ausgaben und Einnahmen der Handelsherrenbesorgten, nach den stilleren Straßen der Stadt, so fiel auch hier die Macht undder Wohlstand der alten wie der neuen Zeit in die Augen. Ernst und eindrucks-voll standen hohe Backsteinkirchen da, in der Mehrzahl Denkmäler des kir-chengründenden vierzehnten und fünfzehnten Jahrhunderts; ihre schlankenTurmspitzen hatten zwar fast sämtlich Barockkuppelchen oder niedrigen Not-dächern weichen müssen, aber die hochgezogenen Fenster und die abgestuften,gemusterten Giebel hielten den Charakter des Mittelalters fest und bezeugtenden großen Sinn ihrer Erbauer: rühmte sich doch das vornehmste dieser Gottes-häuser, die Pfarrkirche von St. Marien, sie sei in Formen und Maßen das ge-naue Abbild der Hagia Sophia von Konstantinopel! In allen ansehnlicherenGassen verdrängten die üppigen Gedanken eines originellen Barockstils eineeinfachere, noch gotisierende Bauweise, die sich nur in entlegeneren Stadt-teilen erhielt. In geschlossener Reihe erhoben sich die stolzen schmalen Häusermit ihren wenigen, aber sehr großen Fenstern zur beträchtlichen Höhe vondrei bis vier Stockwerken und kehrten einen vielfach geschwungenen Giebeloder eine vornehme Attika als wirksamen Abschluß der Straße zu. MancherleiZieraten an Vasen, Obelisken, Kugeln und vorzüglich an bezeichnenden Em-blemen krönten diese Abschlüsse, und man konnte dort oben die wunder-barsten Geschöpfe: auffahrende Adler, brennende Phönixe, selbstmörderischePelikane, Schildkröten mit beweglichen Gliedmaßen, springende Pferde unddergleichen mehr gegen den Himmel sich abheben sehen. Ebenso reich warendie unteren Teile der Fassaden ausgestattet: zwischen kräftigen Gesimsen undenergischen Fensterumrahmungen liebte man Nischen mit Büsten, Statuenund Reliefs von allegorischem und historischem Inhalte anzubringen, und oft
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