tot in und außerhalb der Verschanzungen. Mehr als 10 ooo fanden ihren Todin den Wellen. Man konnte über ihre Leichen wie über einen Damm, trockenenFußes von einem Ufer zum andern kommen. Die ganze Artillerie und Bagage,8000 Wagen und 6000 beladene Kamele, die Kriegskasse, ungeheurer Mund-und Kriegsvorrat wurden erobert. Eugen behielt aus der unermeßlichen Beutenichts, als das große Siegel der hohen Pforte, welches der erschlagene Groß-vezier am Halse trug, und das Gezelt des Großherrn. Dieser, der in seinemÜbermut viele Wagen mit Ketten mit sich geführt hatte, um die gefangenenChristen darein zu schlagen, sah vom jenseitigen Ufer die Niederlage seinerTruppen, fluchend, weinend, Haare und Bart zerraufend. Er warf all seinenSchmuck und seine prächtigen Waffen von sich und floh in der Kleidung einesgemeinen Janitscharen bis nach Adrianopel.
Eugen erhielt neuerdings das Kommando in Ungarn, übernahm es aber nurmit unumschränkter Vollmacht und zwang sohin die Türken zu dem Karlo-witzer Frieden (26. Januar 1699), der dem Kaiser Siebenbürgen, Slavonien,ganz Ungarn (bis auf Temesvar), Kroatien bis an die Unna und Bossutsicherte, und den unter türkischen Schutz geflüchteten ungarischen Mal-kontenten die Rückkehr in ihr Vaterland auf ewig verschloß. (Joseph Freiherrvon Hormayr, österreichischer Plutarch, 1807/1814.)
DANZIGS SPÄTE BLÜTE
Die alte Hansestadt Danzig stand in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahr-hunderts noch auf der Höhe ihres Reichtums und Ansehens. Hatte sie auchihre frühere Freiheit, nach langen Streitigkeiten mit den deutschen Ordens-rittern, schließlich einem Schutzverhältnis zu Polen geopfert, so fühlte sie sichdoch in ihrer Eigenschaft eines Schlüssels zu diesem Königreiche durchausals eine zu respektierende Bundesgenossin und Geldmacht. Wirklich lag derpolnische Handel, besonders die Ausfuhr der Landeserzeugnisse, fast ganzin ihren Händen. Wie von alters her wurden unermeßliche Mengen von Ge-treide, Holz, Wachs und Leinwand aus den fruchtbaren Niederungen desWeichselgebietes auf ihren Weltmarkt gebracht und waren die Quellen einesWohlstandes, der seinerseits die Einführung von ausländischen Luxusgegen-ständen zum Gebrauche der Stadt, dann auch für die üppigen Residenzen despolnischen Inlandes veranlaßte. Daher bot Danzig, durch die trübe Mottlaumit ihren Kanälen, sowie einen Arm der klareren Radaune und mittelbardurch die Weichsel auch größeren Schiffen zugänglich, das lebendige Bildeiner Hafenstadt, obgleich es eine gute Stunde von der Weichselmündungabliegt. Hunderte von Fahrzeugen kamen jährlich an ihre Lange Brückeund die übrigen hölzernen Lastadien vor die Magazine der wohlbefestigtenSpeicherinsel oder anderer Stapelplätze und wurden von einem bunten Last-träger- und Matrosenvolke bedient, von internationalen Kaufleuten besichtigt.Da konnte man neben den derben Nord- und Ostseebarken die breiten floß-artigen Kähne beobachten, auf welchen der Weizen und Roggen, zu haus-hohen goldigen Bergen aufgeschüttet, die Weichel herabkam; neben den Markt-booten sah man die flinken Jollen und die schwerfälligen Treckschuyten, die,
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