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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
Seite
310
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endlich Szegedin. Durch die Todesangst preßte Eugen einem gefangenen Paschadas wichtige Geständnis ab, der Plan auf Szegedin sei aufgegeben und vielmehrbeschlossen, bei Zentha die Theis zu übersetzen und das von Truppen ent-blößte Oberungarn und Siebenbürgen zu überschwemmen. Schon sei einigeReiterei über diesen Fluß gegangen, um die Gegend und das kaiserliche Heerauszuspähen, bald werde der Großherr, der noch jenseits in seinem verschanz-ten Lager stehe, nachrücken.

Sogleich saß Eugen mit dem größten Teil seiner Reiterei auf, und vorauseilendgegen den Feind befahl er dem Heer, mit Doppelmärschen nachzurücken. AmII. September um 2 Uhr nachmittags war Eugen eine Meile weit vom türki-schen Lager angekommen, rekognoszierte den Feind und machte die Schlacht-ordnung für die nachkommende Infanterie. In dem Augenblicke trifft atem-los ein Kurier aus Wien ein, der den Auftrag hatte, den Prinzen aufzusuchen,er möge auch sein, wo er immer wolle. Eugen erbricht seine Depeschen undfindet einen ernsten hofkriegsrätlichen Befehl:Sich mit den Türken aufkeine Weise in ein Treffen einzulassen, indem auf den Fall eines unglücklichenAusganges kein Mittel vorhanden wäre, die geschlagene Armee zu ersetzen".Eugen tat, was im Angesicht des übermächtigen Feindes zu tun war; unver-färbt und ruhig steckte er den Befehl in die Tasche, keiner lebendigen Seeleein Wort von dem Inhalt vertrauend, und fuhr mit seinen Anordnungen zumAngriffe fort.

Eine doppelte Verschanzung lief in Gestalt eines halben Mondes an dem Uferherum, in der Mitte ging die Schiffbrücke. Der Sultan, durch den unvermutetenAnmarsch des kaiserlichen Heeres außer aller Fassung, ging mit einem Teileseiner Truppen sogleich über die Brücke, mit dem größten Teil blieb der Groß-vezier in den Verschanzungen. Mustapha gebot ihm, die Christen zu schlagen,wenn er sein Leben liebe. Eugen rückte heran in einem Halbzirkel wie dieVerschanzungen. Sogleich begann der Sturm. Der linke Flügel unter demPrinzen Vaudemont wurde anfangs etwas zurückgetrieben. Eugen sah dieGefahr und wendete sie. In einer Stunde war die äußere Verschanzung er-stiegen und der Großvezier ordnete den Rückzug über die Schiffbrücke,aber diese war nicht mehr. Eugen hatte all sein Geschütz auf dieselbe ge-richtet, und der Zufall kam seiner Absicht trefflich zustatten, daß die türki-schen Zugknechte ihr zahlreiches Zug- und Schlachtvieh in den Fluß trieben,um es auf die andere Seite zu bringen. Dieses, durch die Gewalt des Stromesund das Getöse der Schlacht wild, geriet gleichfalls an die Brücke und trenntesie vollends. Als der Großvezier diesen einzigen Ausweg des Rückzuges ver-sperrt sah, trieb er mit dem Säbel in der Faust die Truppen wieder vorwärtsgegen die äußere, von den Kaiserlichen bereits eroberte Verschanzung: aber seinReich hatte ein Ende, er und die vornehmsten Paschen wurden von den er-grimmten Osmanen selbst niedergemacht. Niemand befahl, niemand strittmehr unter den Türken, jeder dachte nur auf seine Rettung. Da die Siegerselbst den ersten Anführern keinen Pardon gaben, welche ungeheure Summenfür ihr Leben boten, so warf sich eine große Menge Türken in den Strom, inder schwachen Hoffnung, das jenseitige Ufer zu erreichen. Von fünf Uhrabends bis zehn Uhr nachts hatte die Schlacht gedauert. 22 000 Türken lagen

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