ihr festes Lager verfolgte. Betroffen prallten seine Dragoner vor dem breitenGraben zurück, der sich auf einmal vor ihnen auf tat und über welchen ein Hagelvon Pfeilen und Steinen und aus dem groben Geschütz auf sie herniederstürzte.Einen Augenblick stutzte auch Eugen, dann ruft er mit hoher Begeisterungin Ton und Blick, zu tun, was er tun würde. Den Degen im Munde, springt ervom Pferde, stürzt sich in den Graben und klettert der erste jenseits den Wallhinauf, sein Regiment ihm nach, die übrigen folgen, kaum bleiben so vielezurück, die ledigen Pferde zu zähmen. Nun geht das Würgen im Lager selbstan. Niederhauen lassen sich die Janitscharen, aber sie fliehen nicht, bis auchdie Infanterie im Sturmmarsch mit Siegesgeschrei herankommt. — 35 000 Tür-ken waren gefallen, Lager, Artillerie, Bagage, alles eine Beute der Überwinder.Mit Recht gab der Herzog dem Prinzen von Savoyen den Auftrag, der Über-bringer dieser angenehmen Botschaft an das kaiserliche Hoflager zu sein.Leopold ernannte ihn zum Feldmarschall-Lieutenant.
Das folgende Jahr bezeichnete die so oft vergeblich versuchte Eroberung vonBelgrad (9. September 1688). Als die stürmende Infanterie zurückwich unddie Belagerten, diesen Augenblick der Verwirrung nützend, wütend nach-drangen, trieben der Kurfürst von Bayern und Eugen (den sich jener an die-sem heißen Tage zur Seite gegeben hatte) die Fliehenden, den Degen in derFaust, wieder vorwärts. Der Kurfürst wurde durch einen Pfeil unter demAuge verwundet. Mit dem Rufe: „Mir nach, wir müssen hier siegen odersterben I" — rannte Eugen unter den Vordersten auf die Bresche los. Ein Janit-schar hieb ihn durch das Kasquet in den Kopf. Der Prinz stieß ihm den Degendurch den Leib. Dieser Anlauf entschied das Schicksal dieser wichtigen Vor-mauer. Während des ganzen Feldzuges war kein Gefecht, bot sich keine Ge-legenheit dar, mutig in die drohendste Gefahr zu stürzen, und allenthalben,wo nicht den Sieg, doch den Ruhm zu behaupten und zu erhöhen, dersich Eugen nicht mit dem Feuer eines Jünglings und der Besonnenheit eines
Veterans bemächtigt hätte.-------
Der stolze Ludwig, den Wert des verachteten Abb6s von Savoyen besser er-kennend, ließ nun Eugenen insgeheim den Antrag machen, wieder zu ihmzurückzukehren, das Gouvernement von Champagne, den Marschallstab undeine große Pension aus den Händen eines gnädigen Königs zu empfangen.Die Antwort war: „Ehre und Dankbarkeit waffnen mich für Österreich, widerFrankreich. Ich bin Feldmarschall des Kaisers, das mag wohl ebensovielsein, als Marschall von Frankreich. Was sollen mir Pensionen? Ich bedarffür mich nichts, als Gelegenheiten, mich im Dienste meines Souveräns hervor-zutun."
Den folgenden Feldzug (1697) wurde Eugen nach Ungarn bestimmt, wo dieSachen durch den Verlust von Belgrad und noch mehrere andere unglücklicheGefechte gegen die zusammengeschmolzene kaiserliche Armee unter den Be-fehlen des Kurfürsten von Sachsen, Capraras und Häuslers ungemein miß-lich aussahen. Der Prinz erwirkte, daß das Heer doch bis über 45 000 Mannverstärkt wurde. Mit 140 000 Mann stand der Sultan Mustapha ihm gegen-über. Die türkischen Befehlshaber suchten vor allem, Eugen über ihre eigent-lichen Absichten irrezuführen. Bald bedrohten sie Titul, bald Peterwardein,
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