wir just, warum sie kommen mußte: wenige hellsehende Männer ahndetenes schon vor einem halben Jahrhundert. Das Alte konnte nicht erhalten undbehauptet werden, die Vorbereitungen einer neuen Weltordnung waren ge-macht, auch stiller und ruhiger wären wir Deutsche doch zur Nichtigkeithinübergegangen: Gott wollte uns im Donner und Wetterleuchten etwas ge-schwinder führen, und gab uns bei allem dem Unglück und Elend doch denTrost, daß Großes und Herrliches aus uns geboren werden könnte, er gab unsdie Bilder gewaltiger Männer für die Zukunft, zur Nachahmung und Kräfti-gung deutscher Jugend aufgestellt, wann die Zeit wirklich da sein wird. Überden Schutt und das Blut fließt ein Glanz unvergänglicher Namen hin, die unströsten, was wir hätten sein können, wenn Gott schon gewollt hätte, daß wires werden sollten. So spielt auch nach langer Dürre manche düstre Wetter-wolke fürchterlich schön mit Donnern und Blitzen, wirft Schloßen herab,zerschmettert Felsen und zündet die Türme der Städte und die Häuser derMenschen, aber bringt keinen Regen. (E.M.Arndt, Ansichten und Aussichtender deutschen Geschichte, 1814.)
LOB DEUTSCHLANDS TROTZ ALLEM
Warum sollte man bei uns nicht sowohl gute Seide und Zucker als herrlicheWeine zeugen können, die nicht weniger der Sonne bedürftig? Wenn unsreLeinwand wohl verarbeitet, können wir des schädlichen Catuns wohl ent-behren. Mit Metallen haben wir den Vorzug in Europa, und sind die metal-lischen Künste bei uns aufs höchste gestiegen. Wir haben zuerst Eisen inStahl verwandelt und Kupfer in Messing, wir haben das Eisen zu Überzinnenerfunden und viel andere nützliche Wissenschaften entdeckt, also daß unsreKünstler in der edlen Chymie und Bergwerkssachen der ganzen Welt Lehr-meister worden. Wir haben reiche Salzquellen und unvergleichliche Sauer-brunnen, welche unter einem annehmlichen Schmack mehr als eine ganzeApotheke führen und der Natur wunderlich zustatten kommen. Unsre See-küste ist mit ansehnlichen Städten und herrlichen Einfahrten bemerket,das Innere unseres Landes wird von schiffreichen Wassern durchkreuzet.Es sind Stein- und Marmorbrüche in den Felsen und Bauholz die Fülle in denWäldern. Leder, Rauchwerk, Wolle, Leinwand haben wir überflüssig, ja,daß Seide bei uns nützlich zu zeugen, davon sind unterschiedene Proben vor-handen, davon ich viel Umstände sagen könnte.
Wenn wir die Gaben Gottes genugsam zu brauchen wüßten, würde es unskein Land so gar an Zierde und Bequemlichkeit bevortun. Aber wir lassenUns Gewächse aus der Fremde schicken, die bei uns ganze Felder bedecken.Wir verwundern uns über den äußerlichen Glanz der fremden Lande, durchdie wir reisen, und bedenken nicht, daß allemal das beste zur Schau heraus-gelegt: sie wissen besser als wir, ihre Ungelegenheiten zu verbergen, aber werin das Innere schauet, siehet ihr Elend und muß unser Deutschland loben,das ein rauhes Aussehen, aber einen nährenden Saft in sich hat. Denn seineHügel fließen mit Wein, und seine Täler triefen mit Fett. Wenn der HerrFriede gibt, so wohnet Freude und Wonne in unsern Mauern. Gesegnet ist
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