Bilder, Holzschnitte, Kupferstiche, Münzen, Waffen, Trinkbecher, Arbeitender Goldschmiede von Nürnberg, der Kunsttischler von Augsburg. Die Pa-trizier der großen Reichsstädte, dem Hofadel an Bildung überlegen, vermittel-ten dann wohl als politische Bevollmächtigte der Reichsfürsten solche Neuig-keiten der Kunst an die deutschen Höfe und an hochgestellte Kavaliere. Fehlteden deutschen Herren auch der feine Schönheitssinn der Italiener, so hattensie dafür um so mehr die Neigung zu zierlicher und sorgfältiger Arbeit undFreude an einem tiefen Sinn, der in die Kunstgebilde als Allegorie oder ver-steckter Inhalt hineingeheimnißt war. Ein feingeschnittener Kirschkern, derunter der Lupe eine Anzahl Gesichter wies, war ihnen vielleicht lieber als eineantike Statue, die ohne Kopf aus der Erde gegraben war und unsicher machte,welchen Abgott oder Vorfahren römischer Majestät das Stück vorstellen sollte.Besonderen Genuß bereitete den Fürsten ihre Münze durch das Prägen vonMedaillen, die zuweilen in ungewöhnlicher Form und Größe beliebt wurden.Die Herren erfanden gern selbst Bild und Spruch und stellten dabei dem Stem-pelschneider wohl einmal verzweifelte Aufgaben. Solche Medaillen verfer-tigten sie sich zum Ruhm und andern zur Beglückung bei jedem Ereignis,das ihnen die Seele erregte: wenn sie aus einer Krankheit aufstanden, wennihre Gemahlin glücklich eines Kindes genaß, wenn sie einen UngetümenHirsch schössen, wenn große Wassersnot gewesen oder wenn es einmal Kornvom Himmel geregnet haben sollte. Sie spendeten diese Denkmünzen, wosie Gunst erweisen wollten, und zum Austausch an Standesgenossen, und illu-strierten dadurch ihr Leben wie in einem sibernen Stammbuch.--------
Das fürstliche Familienleben war bei den Besseren ein inniges Zusammen-sein nach alter deutscher Weise, die Fürstin in Wahrheit Hausfrau ihrer Hofes,die selbst die Küche beaufsichtigte, die eingesottenen Früchte und die zahl-reichen Kräuterweine verordnete und einem werten Gast auf silbernem Telleralltäglich ein anderes Frühstück aus der Küche schickte, froh, die Kochkunstihres Hofhaltes zu zeigen. Auch sie verstand ein wenig Latein, nahm teilan den Ausflügen, Jagdfreuden und kleinen Liebhabereien ihres Herrn, kamwohl auch mit dem Spinnrädlein, welches ein silbernes Glockenspiel hatte,in seine Arbeitsstube und wußte mit ihrem ,,Frauenzimmer" allerlei feineweibliche Arbeit zu machen. Der fürstliche Hofhalt und seine Ordnung liefim ganzen noch in alter Weise, der Edelknabe, welcher bediente, bis er Kam-merjunker wurde, führte bereits den Namen Paggio, eine Guarda von ange-worbenen Männern in fürstlicher Livree zog täglich mit Trommeln und Pfeifenauf, aber zwischen diesen neuen Einrichtungen lief noch der alte Narr unange-meldet in das Zimmer seines Herrn, war grob gegen die Hofleute, welche ihnärgerten, und fuhr bei Ausflügen des Hofes als unentbehrliche Zielscheibederber Scherze im eigenen Eselwagen hinterdrein. Noch war der Zutritt beiHofe für Fremde mühelos, in kleineren Städten sandte der Herr wohl gar indie Wirtshäuser und ließ fragen, wer angelangt sei, um einen namhaften Rei-senden kennenzulernen.
Die häufigste Unterhaltung des Hofes war die heimische alte, das Weidwerk.Die gewöhnliche Jagdfreude war leider, das Wild vom „Schirm" — Hütteoder Zelt mit Waldgrün besteckt — zu schießen, während es vorbeigetrieben
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