Schaustellungen, bei welchen die Kleidung und der dramatische Anstrichmehr galten als die Waffenübung selbst. Sie wurden nach spanischemBrauche eingerichtet, schon 1570 mit dem neumodischen Ringelrennen.Große Schaugerüste mit mythologischen und allegorischen Gestalten wurdendahergefahren, in wunderlicher Tracht erschienen die kämpfenden Parteien,sie stritten gegeneinander als Herausforderer und Abenteurer, als Manu-tenadoren und Avantureros, oder auch die Verheirateten gegen die Junggesellen,Mann gegen Mann und Haufen gegen Haufen, nicht nur zu Roß, auch zuFuß, um Preise. Aber die Waffen waren stumpf, die Speere so eingerichtet,daß sie schon bei schwachem Anprall zerbrechen mußten, die Zahl der Stößeund Hiebe, welche einer gegen den andern tun durfte, war genau vorgeschrie-ben. Das Ganze war durch ein Kartell — Einladungs- oder Aufforderungs-schreiben —, welches wohl gar gedruckt und angeschlagen wurde, dem Zu-schauerkreis erklärt. Uns sind einige solcher Stilübungen gebildeter Hof-leute erhalten, zum Beispiel ein Tafelrunde-Kartell von 1570 aus Prag, woKaiser Max II. einen großen Teil des deutschen Adels um sich versammelthatte. Ein Schwarzkünstler Zirf eo kündigt an, daß er drei teure Helden in einemBerge verzaubert wisse, den König Artus und seine Genossen Sigestab denStarken und Amelot den Freudigen, die er entzaubern und zum Kampfe ge-gen Aventuriers erwecken wolle. Beim Feste selbst zeigte sich ein großerHolzbau, der einen Felsen mit einer höllischen Öffnung darstellte, Rabenflogen aus ihm, Teufel tanzten geschäftig um seinen Gipfel und warfen mitFeuer um sich; endlich erschien der Zauberer selbst, machte seine Beschwö-rung, der Berg öffnete sich, die Ritter sprengten in altertümlicher Rüstungins Sonnenlicht und erwarteten die fremden Kämpfer, die ebenfalls in selt-samer Tracht — die beste „Invention" und Maske dabei erhielt einen Preis —gegen sie ritten.
Bei jedem großen Hoffest wurden ähnliche Aufzüge erdacht, mythologischeund allegorische Figuren in seltsamer Mischung. Diese Hoffeste wurden diegroßen Angelegenheiten des Jahres, ihr Verlauf oft in Pritschmeisterversenaufgezeichnet, zuweilen gedruckt und mit Abbildungen ausgestattet. Modi-scher als die Feste, bei welchen Turnierbrauch nicht ganz vermieden wurde,waren andere Kostümfahrten des Hofes, die Schäfereien, bei denen Herrenund Damen, als Schäfer verkleidet, sich mit dramatischem Gesang und Tanzund in losem Wechselgespräch ergingen, dann große Schlittenfahrten in Mas-kentracht, auch Schmuck der Schlitten und Pferde glänzend und abenteuer-lich geformt. Ihnen folgten nach dem großen Kriege die derberen Bauern-hochzeiten und Jahrmärkte. Diese Verkleidungsfeste waren besonders will-kommen, weil bei ihnen die Etikette außer Kraft gesetzt und manche Ge-legenheit zu freiem Scherz und vertraulicher Annäherung gegeben war. —■Aber auch bessere Vergnügungen wußten sich die Landesherren zu bereiten.Es war in Deutschland vornehm geworden, was seit länger als hundert Jahrenin Italien dem Wohlhabenden am Herzen lag, Bücher und Kunstsachen zusammeln. Man trieb an den Höfen, auch wo das rechte Verständnis fehlte,dies Aufsammeln mit deutscher Gründlichkeit. Wie Kaiser Rudolf die Ge-mälde Albrecht Dürers und der Spanier, so kauften die deutschen Fürsten
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