So brach nach 350jährigem Bestände ein Staat zusammen, der in früherenZeiten an der Ostsee die große Mission erfüllt hatte, barbarische Völker zukultivieren und zu christianisieren und dann die weitere, auf lange hin alsVorposten des christlichen Europa im Nordosten auf der Wacht zu stehen.Die deutsche Nation aber hatte mit diesem Zusammenbruch ihre Kolonial-lande verloren, ohne auch nur eine Hand darum zu regen. Dem Reichewankte dieser Eck- und Grundstein, und es erlitt damit unermeßliche Verluste.Kaiser und Reich schwiegen dazu. Wie damals in Westeuropa ein gewaltigerKrieg begann, der in dem Erstehen eines neuen europäischen Staatswesensseinen vorläufigen Abschluß fand, so waren es hier die Trümmer eines alteneuropäischen Staatswesens, auf denen und um die ein nicht minder heftigerKampf der angrenzenden Mächte entbrannte. Dort errangen am Ende diesieben nördlichen Provinzen der spanischen Niederlande dank ihren „viribusunitis" staatliche Existenz, hier zerfiel ein staatliches Gemeinwesen dankseinen viribus dissolutis. (Johann Gustav Droysen, Geschichte der Gegen-reformation, 1893.)
SCHLACHT BEI LEIPZIG: GUSTAV ADOLF UND TILLY
Frühmorgens am 7. September 1631 bekamen die feindlichen Armeen einanderzu Gesichte. Tilly, entschlossen, die herbeieilenden Hilfstruppen zu erwarten,nachdem er versäumt hatte, die sächsische Armee vor ihrer Vereinigung mitden Schweden niederzuwerfen, hatte ohnweit Leipzig ein festes und vorteil-haftes Lager bezogen, wo er hoffen konnte, zu keiner Schlacht gezwungenzu werden. Das ungestüme Anhalten Pappenheims vermochte ihn endlichdoch, sobald die feindlichen Armeen im Anzug begriffen waren, seine Stel-lung zu verändern und sich linker Hand gegen die Hügel hinzuziehen, welchesich vom Dorfe Wahren bis nach Lindenthal erheben. Am Fuß dieser An-höhen war seine Armee in einer einzigen Linie ausgebreitet; seine Artillerie,auf den Hügeln verteilt, konnte die ganze große Ebene von Breitenfeld be-streichen. Von daher näherte sich in zwei Kolonnen die schwedisch-sächsischeArmee und hatte bei Podelwitz, einem vor der Tillyschen Front liegendenDorfe, die Lober zu passieren. Um ihr den Übergang über diesen Bach zuerschweren, wurde Pappenheim mit 2000 Kürassiers gegen sie beordert,doch erst nach langem Widerstreben des Tilly und mit dem ausdrücklichenBefehl, ja keine Schlacht anzufangen. Dieses Verbots ungeachtet wurdePappenheim mit dem schwedischen Vortrabe handgemein, aber nach einemkurzen Widerstand zum Rückzug genötigt. Um den Feind aufzuhalten,steckte er Podelwitz in Brand, welches jedoch die beiden Armeen nicht hinderte,vorzurücken und ihre Schlachtordnung zu machen.
Zur Rechten stellten sich die Schweden, in zwei Treffen abgeteilt, das Fuß-volk in der Mitte, in kleine Bataillons zerstückelt, welche leicht zu bewegen und,ohne die Ordnung zu stören, der schnellsten Wendung fähig waren; die Reitereiauf den Flügeln, auf ähnliche Art in kleine Schwadronen abgesondert unddurch mehrere Haufen Musketiers unterbrochen, welche ihre schwache An-zahl verbergen und die feindlichen Reiter herunterschießen sollten. In der
294