den Gehorsam, um sich auf eigene Hand einen Rückhalt gegen die Russen zusuchen. Nicht freilich wie jene bei Dänemark, sondern bei dem nächstbenach-barten Schweden, das sich, seitdem die verhaßten Dänen mit ihren Ansprüchenan diese Gebiete aufgetreten waren, entschlossen zeigte, sie für sich zu ge-winnen. Denn angesichts ihrer Bemühungen, am finnischen Meerbusen dieNachbarn Schwedens zu werden, müsse man, wie Gustav Wasa meinte, lieberzuvorkommen, als sich zuvorkommen lassen, lieber beizeiten dem Hundedas Stück nehmen, als sich von ihm beißen lassen. Sein Sohn und Nach-folger, der kühn angreifende Ehrich, hieß deshalb die Gelegenheit, Dänemarkden Rang abzulaufen, willkommen. Er erklärte sich den Estländern unter derVoraussetzung, daß sie sich ihm unterwürfen — denn es sei nicht seine Art,Fremdes zu schützen — zum Beistande bereit. Im Juni 1561 huldigten sie ihm.Das Schloß Reval, das der Ordensstatthalter sich zu übergeben weigerte, mußtevon Hörn durch eine förmliche Belagerung erobert werden. Von nun an nanntesich Ehrich „der Schweden, Goten, Wenden usw. König, Herr der livländischenLandschaft und über Reval". Er führte durch diese Besitzergreifung sein Heerin den Kampf der nordischen Mächte um die Ostseeherrschaft hinein. Dennum das Gewonnene zu behaupten, mußte er es zu erweitern fortfahren.Dieser neue Abfall eines weiteren Teiles von Livland aber angesichts derhöchsten Gefährdung des ganz ohne Hilfe gelassenen Landes hatte zur Folge,daß nun auch der noch übrige Rest sich auflöste. Schon im April 1560 hatteinmitten der neu entstandenen Gefahren der alte Heermeister Wilhelm vonFürstenberg (auf dem Ordenstage von Riga) seine Würde in die Hände Gott-hard Kettlers niedergelegt. Das war zugleich ein Systemwechsel gewesen; dennwährend jener stets der heftigste Gegner der Verbindung mit Polen gewesenwar, das seinen Verpflichtungen so erbärmlich nachkam, hatte sie an diesemin der letzten Zeit ihren eifrigsten Fürsprecher gehabt. Schon damals warvon den Ständen beschlossen worden, daß, wenn das Reich fortfahre, seineKolonien ohne Hilfe zu lassen, dem Meister gestattet sein solle, in den welt-lichen Stand zu treten, sich zu vermählen und Livland als weltliches Fürsten-tum zu beherrschen. Ein Beschluß also, der die Möglichkeit der Säkulari-sation enthielt, wie sie der preußische Ordensstaat inmitten ähnlicher Ver-legenheiten bereits vor einem Menschenalter durchgeführt hatte. Kettlernun, der angesichts der Eroberungen und des Abfalls die Sache des Ordensdefinitiv verloren gab, entschloß sich jetzt zu jenem schon im Vorjahr zu Rigavorbereiteten Schritt. Um wenigstens einem Rest seines Staates die Einheit,wenn auch auf Kosten der Selbständigkeit zu wahren, erbot er sich nach demBeispiel des preußischen Ordensstaates nun auch den livländischen unter dieOberherrschaft des bisherigen polnischen Schutzherrn zu stellen, nachdemer in ein weltliches Fürstentum umgewandelt worden wäre. Aber weder umden Schutz der Livländer noch um ihre Lehnsabhängigkeit war es den Polenzu tun, sondern um ihre volle Unterwerfung. Und in sie willigte Kettler end-lich im November 1561. Damit war das Ordensland unmittelbar polnischerBesitz, nur Semgallen und Kurland wurden als ein erbliches von Polen nurabhängiges Fürstentum ausgeschieden und ihm von dem unblutigen Siegerals Lohn übergeben.
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