hältnismäßig geringen Summe an den Ordensmeister und in dem Versuchbestehen, den Frieden zwischen Livland und Rußland zu vermitteln.Möglich, daß es eine Folge dieser zaghaften Haltung Dänemarks war, wenndie Livländer auf einem Landtage zu Riga den Beschluß faßten, die Hilfenicht in so weiter Ferne, sondern bei dem polnischen Nachbarn zu suchen,der durchaus bereit schien, sie zu gewähren. Schon am 30. August und 15. Sep-tember 1559 wurden in Wilna von Seiten des Ordens und des Rigaer Erz-bischofs Verträge aufgerichtet, durch welche sie den König von Polen als Schutz-herrn des ganzen Ordensstaats anerkannten, jedoch unbeschadet der Ober-hoheit des Reiches. Als ihr Schutzherr versprach König Sigismund Augustihnen seinen Beistand gegen die Russen, wofür sie ihm etwa den sechsten Teilihres Landes mit dem Vorbehalt überließen, das verpfändete Gebiet nach demKriege mit einer Summe wieder einzulösen, deren Höhe freilich bewies, daßdie Verpfändung tatsächlich einer Abtretung gleichkam.Der Erzbischof von Kurland und von Oesel (Johann von Münchhausen) da-gegen hielt an Dänemark fest und räumte seine Stifter dem neuen Dänen-könige Friedrich II. (in dem Nieborger Vertrage vom 25. September 1559)gegen eine Kauf summe ein, mit der er außer Landes entwich. König Fried-rich aber übertrug diese geistlichen Gebiete als weltliches Fürstentum seinemjüngeren Bruder, dem Herzog Magnus, der im April 1560 mit dänischen Schiffenund Truppen auf der Insel landete und mit Glück bemüht war, seiner Herr-schaft größere Ausdehnung zu geben. Vor allem gewann er auch das StiftReval durch Kauf von dem Bischof (Mauritius Wrangel), der sich gleich-falls mit dem Gelde sofort aus dem Staube machte. Dazu erhob er Ansprüchean die Wieck, das heißt die der Insel Oesel gegenüberliegende Landschaft Est-lands, und auf das Kloster Padis, einen der wichtigsten und wehrhaftestenOrte der estländischen Landschaft Harrien, indem er sich darauf berief, daßdiese Gebiete zu dem insularen Bistum gehörten.
Während so ein Teil des livländischen Staatenbundes landesverräterischer-weise abfiel — denn es war gegen die Verfassung wie gegen die bischöflicheVerpflichtung, daß die geistlichen Herren ohne Einwilligung des ganzen Bun-des eigenmächtig über ihren Territorialbesitz verfügten—, erhoben sich dieRussen wieder, die nicht dulden wollten, daß sich in diesen Gebieten, auf diesie es selber abgesehen hatten, fremde Mächte festsetzten. Im Jahre 1560brachen sie von neuem in Livland ein, nahmen das feste Schloß Marienburgund drangen, nachdem sie am 2. August bei Ermes gesiegt hatten, plünderndund verwüstend bis Pernau vor. Die Truppen des Ordens waren ununter-brochen im Unglück. Da wäre nun Polen verpflichtet gewesen, dem gefähr-deten Ordensstaat schützend beizuspringen. Aber es hielt sich schlau zurück,um den Preis seiner Hilfe noch höher zu steigern. Vom deutschen Reichekamen nur leere Versprechungen, selbst die in Aussicht gestellten Geldsen-dungen blieben aus, die Briefe, in denen der Kaiser die Nachbarstaaten auf-forderte, den bedrängten Kolonien zu Hilfe zu eilen, hatten keinerlei Erfolg-Die Gefahr für diese stieg von Tag zu Tag.
In solcher Not ahmte Estland mit der Stadt Reval das Beispiel jener abtrün-nigen Bistümer nach. Sie kündigten (im August 1560) dem Ordensmeister
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