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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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denn weder Dänemark noch Schweden wußten sich schon in jener Zeit desVorteils ihrer Küsten zu bedienen, noch verstanden sie es, sich der Bevormun-dung des deutschen Kaufmannes zu entziehen.

Allein als mit Beginn der neuen Zeit, infolge der großen Entdeckungen neuerErdteile und neuer Seewege zu den altbekannten, der Handel ozeanisch zuwerden begann, und als die dem offenen Meere angrenzenden Reiche direktHandel zu treiben anfingen, da war die Stunde der Hansa, dieses großen, aufden Zwischenhandel begründeten Vereins, gekommen. Ihr Verfall gab denbaltischen Küstenländern die Möglichkeit, maritim und merkantil empor-zukommen. Sie erhoben sich zum Kampf um die hanseatische Erbschaft,um das herrenlos gewordene Dominium maris Baltici. Und man muß hinzu-fügen : erst in diesem Kampf und durch ihn gewannen sie ihre staatliche Machtund Bedeutung, so daß denn zugleich die baltische Frage nunmehr einen neuenInhalt gewann. Sie wurde zu der Frage nach dem Machtverhältnis innerhalb der

jungen baltischen Staatenwelt und nach der politischen Herrschaft in ihr.-------

Für Rußlands politischen Aufschwung war nötig, daß es die Ostseeküste er-reichte, und darauf konzentrierte Iwan sein Hauptstreben. Er war entschlossen,Livland zu erobern; denndie Livländer hemmten den Handel und die Freiheitder Russen". Vorwände wurden kaum gesucht und waren leicht gefunden.Und so brach denn mit Beginn des Jahres 1558 ein gewaltiges russischesHeer in das Ordensland ein, durchzog und verwüstete es, dank der in ihm herr-schenden Zerfahrenheit und Zwietracht, fast ohne jeden Widerstand. ImMai nahm es Narwa,das Auge Livlands", im Herbst war auch Dorpat in sei-ner Hand. Das Bistum mitsamt dem ganzen östlichen Teil der livländischenLändermasse wurde russischer Besitz. Bis Riga und bis an die litauischeGrenze drangen die Russen vor und kehrten, mit Beute reich beladen, vonihrem gewaltigen Streifzuge heim.

Dieser russische Einbruch gab das Signal zur völligen Auflösung des schongelockerten livländischen Länderkomplexes. Denn im Gefühl ihrer eigenenHilflosigkeit wandten die Livländer sich Schutz und Beistand suchend anfremde Mächte, die nicht säumten, unter dem Vorwande der Teilnahmeihren Gewinn zu machen. Zunächst (im Juni 1558) gingen sie Dänemarkals das seemächtigste der drei Nordreiche an, aber nicht in Gemeinschaft durchden Ordensmeister, sondern jedes Stift und jeder Stand einzeln, auf eigeneHand. Für Dänemark wäre die Erhaltung Livlands von großer Bedeutunggewesen; denn Livland bildete, wie König Christian III. selber sagte, die Schutz-mauer sowohl gegen Rußland wie gegen Polen. Und deshalb traten die Dänenauch mit der Behauptung alter, bis auf Arilds Zeiten zurückgehender Hoheits-rechte an dasHerzogtum Estonien" auf, unbekümmert um diegrotenschonenBreve", auf die der Orden seinen Besitztitel gründete. Allein Christians fried-liebende Natur wagte es nicht, sein Reich zu weit zu engagieren. Er wolltesich nur auf der Grundlage der Anerkennung der dänischen Hoheitsrechteüber Estland in Verhandlungen mit den Livländern einlassen und nur unterder Bedingung der förmlichen Abtretung der beiden nördlichen Küstenland-schaften Estlands, Harrien und Wirland, sowie Revals und der übrigen festenPlätze, Hilfe zu leisten. Aber diese Hilfe sollte nur in der Zahlung einer ver-

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