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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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und Stab mit dem Szepter vereint. Der Besitzstand der Kirche war dort derKonfiskation anheimgefallen; was bedurfte sie dessen weiter, da ihr Reichals nicht von dieser Welt in die andere gewiesen worden. Das Priestertumwar aufgehoben; denn da die Weihe, weil nicht nachweisbar für die neuenKirchenhäupter, als Aberglauben verworfen war, so wurde es zum Lehramtpromoviert, durch den Doktorgrad mitgeteilt, der Beamte aber verschlang

den Kleriker.--------So hatten also die Territorialfürsten in diesem Teile die

Lehre des Arnold von Brescia bis auf den letzten Buchstaben ausgeführt.Der Urheber war in den Flammen gestorben, die Lehre aber war nicht mit-verbrannt, ihre gekrönten Bekenner hatten durch praktische Ausführungdas Angedenken ihres Urhebers wieder hergestellt. (Görres, Kirche und Staatnach Ablauf der Kölner Irrung, 1842.)

DAS SICHTBARWERDEN DER GESELLSCHAFTLICHEN AUFLÖSUNG

SEIT DER REFORMATION

Die untergehende Antike kannte die sophistische Vertretung der Willkürdes Einzelnen wie die stoische Ausweitung und Ausgleichung der weltbürger-lichen Gesellschaft, die schroffste Ausformung des privaten Eigentumsrechtesin Rom wie die platonische Forderung des unbedingten staatlichen Gemeinde-besitzes, und es gelang auch der Staatsgottheit und dem Reichsoikos der Im-peratoren nicht mehr, den in diesen Sonderungen sich anzeigenden Zerfallder alten Welt aufzuhalten. Während sie noch vergeblich die übermächtiggewordenen Erwerbs- und Verzehrtriebe der Latifundienbesitzer und desProletariats zu bändigen suchten, war die neue göttlich-geistige Einheitschon auf den Taubenfüßen der Gleichnisse aus dem Munde eines unbe-kannten Nazareners in die Welt gekommen, war die christliche Gesellschaftschon gebildet worden, die allen Sonderkräften wieder Sinn, Maß undGeltung fest bestimmte. Als auch ihre Bänder sich nach anderthalb Jahr-tausenden lockerten, traten unter gänzlich verwandelten Bedingnissen vonMensch, Gemeinschaft und Habe dennoch die gleichen Sonderungen inErscheinung, und seit Renaissance und Reformation wurden die modernenGegen-kräfte von Individualismus und Liberalismus, Kapitalismus und Kommunis-mus sogleich in ihren Wurzeln sichtbar, wenn auch noch völlig bedingt undgefärbt durch christliches Bild und Sitte: der Individualismus zunächst alsFreiheit der Einzelseele im Verhältnis zu Gott, der Liberalismus als allgemeineort- und zeitlose Christenheit, der Kapitalismus als göttliche Berufung desMenschen zu irdischem Tun und Verdienen, der Kommunismus als tausend-jähriges Reich, als Wiederkunft paradiesischer Güter- und Weibergemein-schaft.

Es bedurfte noch mehrerer Jahrhunderte allmählichen Unterganges der altenGesellschaftsformen, bis diese Sonderkräfte aus der christlichen Einheit,deren Zerfallsprodukte sie darstellen, sich so weit gelöst, so weit vereinzelthatten, daß sie auf dem neuen Boden der Weltlichkeit in neuen Menschen-klassen zu feindlichen Gegnerschaften erwuchsen, die unsere Zeit erfüllen.Es ist dabei für den Gesamtablauf des Vorganges wenig bedeutend, ob die

21 Wolters, Der Deutsche. 111,3.

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