das war für ihn aus allem Kampf erstritten. Deutschland aber lag verödet,atemlos, mit Blut überronnen; seine Feldmarken brach wie im Jubeljahr,seine Städte verwüstet, verheert, verbrannt, verlassen; sein Wohlstand zerstört,und das Kapital, worauf er sich basiert, davongetragen. Das Mark seinerBevölkerung schien an die Erde ausgegossen, und ein neues Geschlecht, un-gleich dem früheren, eingewandert. Sie hatten aneinander gefrevelt und dieTreue sich gebrochen, und so war die Sünde wie ein Schwert zwischen siegefahren, und die drei Wurzeln des neuen Geschlechts strebten, sich fremdgeworden, voneinander ab, und doch war die Verpflichtung unter Tilgungs-strafe auf sie gelegt, brüderlich miteinander hauszuhalten. Zwischen deralten Zeit und der neuen Zeit war der Krieg eines Menschenalters wie einbodenloser Schlund in der Mitte aufgerissen; die von jenseits und die vondiesseits kannten sich nimmermehr; alle Denkmale der alten Zeit waren inFlammen aufgegangen, jede Gemeinschaft des Gedankens, der Gesinnung,der Handlungsweise war daher abgebrochen. Die über die versunkene Brückehinübergegangen, vergaßen ihrer Abkunft von jenseits her, schämten sichzuletzt ihrer gar, und ihre Gelehrten rissen den Faden der Geschichte vomfinstern Mittelalter ab und knüpften ihn lieber an die Daven und die Mylviosund Sosias des Altertums an. Die Sprache selber war, unerhört in der neuenGeschichte, aus diesem Kriege wie ein Rotwelsch hervorgegangen, der Jargoneines Feldlagers, in dem der Bodensatz und Abschaum aller Völker gegen-seitig aneinander sich ausgetauscht. Das waren die Früchte der erfochtenenLibertäten im deutschen Reiche. Für Völker ist Wahrheit in dem Spruche:die Weltgeschichte ist das Weltgericht.
Als die Bewegungen allmählich ausgeschwankt, zeigte sich der Zustand derDinge in Europa, der aus ihnen aufgetaucht. Die Linie der Trennung gingdurch den Meeresarm, der sich zwischen Irland und England eingedrängt,zu den Mündungen der Maas hinüber, dann über Rhein zur Oberems undWeser bis nach Ostfranken hinauf, weiter der Grenze Böhmens und Polensentlang, bis gegen die Düna hin. Was diese Bogenlinie in ihrer Höhlung insich beschloß, war der neuen Lehre zugefallen, was ihr nach außen lag, wardem alten Glauben treu geblieben: nur daß einzelne katholische Inseln und Vor-gebirge über jene Grenzen hinausgingen, und protestantische Buchten undBinnenmeere da und dort in sie eingefressen. Geteilt war also der BritenReich, geteilt Deutschland von einem Ende zu dem andern, geteilt war auchder Slaven Stamm. Denn die südlichen in Österreich und Böhmen, die mitt-leren in Polen, waren der Kirche treu geblieben, die östlichen aber hattePeter vollends abgerissen, indem er nach Unterdrückung des Patriarchatsund Einsetzung eines Synodalrates selbst am Altar gesungen, und also alsOberbischof sich geriert. Der Kirche war sohin der ganze Teil des Kontinentsnach Mitternacht versunken, seine Stelle hatte ein bewegliches Meer wech-selnder Meinung eingenommen, das in beständigem Wellenschlage steigendund sinkend, in Ebbe und Flut bewegt, an den alten Kontinent, seine altenFelsen und Riffe, vorzugsweise im romanischen Süden, anbrandete. DieTerritorialfürsten hatten allerwärts, wo die Reformation Fuß gefaßt oder wosie auch nur einmal gesiedelt, die Tiare zur Krone hinzugefügt und Rin£
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