mit dem Ihr mich sonst zu nennen pflegtet. — Ich bin Euer kaiserlicherMajestät Gefangener, fuhr der Kurfüst fort, und bitte Eure kaiserliche Ma-jestät, mich zu halten, wie einem gefangenen Fürsten zukommt. — Daraufder Kaiser: Ich will Euch halten nach Gelegenheit und Eurem Verdienst.Eure Werke haben Euch dahin gebracht, wo Ihr seid. Gehet nur hinweg I —Während der Kaiser ihm ungnädig den Rücken wandte, setzte der Kurfürst sei-nen Hut wieder auf und sagte noch kurz: Machet mit mir, was Ihr wollt, ichbin in Eurer Gewalt.
Alba erhielt den Auftrag, den Gefangenen unter guter Bewachung ins Lagerjenseits der Elbe bringen zu lassen, er überantwortete ihn Alonso Vives, demMaestro de Campo. Nach dem Kurfürsten wurde auch Herzog Ernst vonBraunschweig dem Kaiser als Gefangener vorgeführt und dann derselbenGarde übergeben. Er soll sich niedergeschlagener gezeigt haben, währenddie Haltung des Kurfürsten ihm die Bewunderung, selbst die Verehrung derItaliener und Spanier eintrug. (Georg Voigt, Moritz von Sachsen, 1876.)
DAS REICH NACH DEM AUGSBURGER RELIGIONSFRIEDEN
Jahrhundertelang waren die europäischen Staaten und Völker durch diedeutsche Macht in ihrer Mitte beherrscht oder doch überragt gewesen. Jetztsenkte sich diese Mitte, sie sank rasch und tief, in ungeheuren Schütterungenerhoben sich die peripherischen Bildungen, die dunkle Gewalt des spanischenKatholizismus warf den Westen und Süden, die baltische Frage den Nordenund Osten Europas in fünfzigjähriges Ringen.
Das Reich war nach keiner Seite hin geschlossen, es war in sich zerfahren,nur noch der Schein einer Einheit, es stand jedem fremden Einfluß und Ein-griff, jeder fremden Einflutung offen. Und wieder, „um nicht daheim seinblühendes Alter zu versitzen", zog der kriegerische Teil der Nation, Fürsten,Adel, Abenteurer jedes Standes in alle Welt hinaus, wo grade Sold und Beutezu gewinnen war.
Denn das Reich als solches war nur noch zum Frieden; daheim von ReichsWegen gab es nur noch innere Angelegenheiten, will sagen, unfruchtbareReichshandlungen, wirkungslose Beschlüsse, endlose Kammergerichtspro-zesse, unermüdliches Querulieren und Protestieren, Duplizieren und Tripli-zieren bei Kaiser und Reich, jene politische Tretmühlenarbeit, welche daseinst so hoch gerichtete und hoch berufene deutsche Wesen allmählich mattUnd stumpf gemacht hat, bis der Krieg der dreißig Jahre kam, es bis zur Wurzelhinwegzuschneiden. (Johann Gustav Droysen, Geschichte der preußischenPolitik, 1855/1886.)
POLITISCHE FOLGEN DER REFORMATION
"en beiden Häuptern des Doppeladlers ist jetzt ein neues Haupt hinzuge-^achsen; alle drei sind mit Kronen gekrönt, das Nest aber füllt sich bald mitd er Brut der kleinern Spezies, an Zahl so viel, als der Tage im Jahre sind,aJ le kleine Krönlein tragend. Der Süden nur hatte die Reformation abgewiesen,
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