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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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Solimans hält er ein an der Raab, er sucht den Halbmond bei Algier auf.Das Heer, das ihm in Afrika gedient, folgt ihm an die Elbe, und auf der LochauerHeide hört man das Feldgeschrei Hispania. Da ist Karl das am meisten be-schäftigte Haupt der Welt. Gar manchmal schifft er über das Mittelmeer,über den Ozean. Indessen sind seine Seeleute Entdecker in früher nie be-fahrenen Meeren, seine Krieger Eroberer von früher nie betretenen Erden.In so weiter Ferne bleibt er ihr Regierer und Herr. Sein Wahlspruch:Mehr,weiter", hat eine glorreiche Erfüllung.

So ist sein Leben, wenn wir es im ganzen betrachten: nach ungewöhnlichlangem Ruhen volle Tätigkeit. Es läßt sich bemerken, daß die nämliche Er-scheinung, anfangs Ruhen, Warten, Zusehen, spät die Tat, auch während seinesbewegtesten Lebens in den einzelnen Ereignissen immer wiederkehrt.Obwohl in der allgemeinen Willensrichtung völlig entschieden, faßte er,Fall für Fall, doch nur langsame Entschlüsse. Auf jeden Vortrag antworteteer anfangs unbestimmt, und man mußte sich hüten, seine vieldeutigen Aus-drücke nicht für eine Gewährung zu nehmen. Dann beriet er sich mit sichselbst. Er schrieb sich oft die Gründe für und wider auf; da brachte er allesin so guten Zusammenhang, daß, wer ihm den ersten Satz zugab, ihm denletzten zuzugeben gewiß genötigt war. Den Papst besuchte er zu Bologna,einen Zettel in der Hand, auf welchem er alle Punkte der Unterhaltung genauverzeichnet hatte. Nur Granvella pflegte er jeden Bericht, jeden Vertrag mit-zuteilen; diesen fanden die Botschafter immer, bis auf die einzelnen Worte,welche sie geäußert, unterrichtet: zwischen beiden wurden alle Beschlüssegefaßt. Langsam geschah es: häufig hielt Karl den Kurier noch ein paar Tagelänger auf.

War es aber einmal so weit, so war nichts auf der Welt vermögend, ihm eineandere Meinung beizubringen. Man wußte dies wohl. Man sagte, er werdeeher die Welt untergehen lassen, als eine erzwungene Sache tun. Es war keinBeispiel, daß er jemals durch Gewalt oder Gefahr zu irgend etwas genötig

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Die verwickelte Politik gebot ihm tausend Rücksichten.Indes er nun harren mußte, behielt er seine Feinde unausgesetzt im Auge.Er beobachtete so genau, daß die Gesandten erstaunt waren, wie gut er ihreRegierungen kannte, wie treffend er beurteilte, was sie tun würden. Endlichkam die Gelegenheit, die günstige oder die dringende Stunde doch. Dann warer auf, dann führte er aus, was er seit vielleicht zwanzig Jahren im Sinne ge-habt.

Das ist die Politik, die seinen Feinden verabscheuungswürdig und Hinterlist,seinen Freunden ein Muster von Klugheit schien. Wenigstens darf man siekaum als ein Werk der Wahl, der Willkür betrachten. So ruhen, sich unter-richten, harren, erst spät sich erheben und schlagen, eben das ist die Naturdieses Fürsten. (Leopold von Ranke, Fürsten und Völker von Südeuropa im16. und 17. Jahrhundert, 1827.)

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