Druckschrift 
3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
Seite
283
Einzelbild herunterladen
 

umschlossenen Ebene, in einem Tale voll Hecken und Stauden, durchschnittenvon einem kleinen Wasser. Beide Heere waren ungefähr gleich an Stärke,die Führer an Mut und Kriegserfahrung. Auf den rechten Flügel stellte Al-viano seinen Schwäher Baleone und befahl ihm, sich weit zu dehnen, um denFeind zu überflügeln: enger den linken zusammenzuziehen und die leichtenTruppen umzuströmen, ward dessen Anführer Antonius Pius befehligt: Blüteund Kern der Soldaten war im Mittelpunkt, welchen der Oberbefehlshaber selbstanführte. Kardona und Prosper Kolonna standen in der Mitte ihrer Schlacht.Der letzte ordnete an, daß Peskara, der den rechten Flügel mit den Spaniern,daß Frundsberg, der den linken Flügel mit den Deutschen bildete, sich plötz-lich mit gleichem Schritt auf den Feind stürzen sollten. Dagegen flog Alvianohierhin und dorthin und rief: das Ende aller Mühseligkeiten und des JubelsAnfang sei gekommen, diese Schlacht, und befeuerte so die Gemüter derSeinen, daß einige sich in den dichten Feind stürzten und wütend bis zu denFahnenträgern vordrangen und sie töteten.

Dies geschah, ehe sich noch die ganzen Schlachtordnungen bewegten, undan der Stirn auch die spanische Reiterei hart zusammenstieß mit VenedigsKürassieren, welche die deutschen Reiter, die nach Wegnahme der Falkonenzu heiß vordrangen, zurückgesprengt hatten.

Da fuhren gleichmäßig Frundsberg und Peskara los, und mit solchem Ge-wichte, daß die Kohorten von ausgezeichneter Tapferkeit, die Alviano ihnenzuerst mit Zuversicht entgegenwarf, nach kaum versuchtem Kampfe den Rük-ken wandten. Georg von Frundsberg und Hans von Landaw drängten sichden Weichenden nach. Des Feindes Mittelpunkt, die Reiterordnung, wardurch des Fußvolkes Flucht entblößt. So tapfer sie war, mochte sie dem ge-waltigen Nachdrucke nicht widerstehn. Der Deutschen Ungestüm schlugalles nieder: sie wollten nur Rache und Tod und keinen Gefangenen. AlleBanner wurden niedergestürzt; noch ragte die Hauptstandarte Alvianos. Dasank auch sie, und vergeblich beschützte sie lange der sterbende Fahnenträger.Umsonst trieb der Feldherr die Fliehenden zurück, umsonst tobten seine tap-fern Obersten, eingedenk alten Kriegsruhmes: die Schlacht konnte nicht wiederhergestellt werden; denn als die Flügel die Niederlage des Mittelpunktes sahen,an dessen Stärke sie sich stützen sollten, ergriff sie Graun und Verzweiflung,sie warfen die Waffen hinweg und flohen schändlich. Nun war auch AlvianosMut gebrochen. Er entriß sich der Schlacht, von den Seinen und vom Glückeverlassen, und floh, durch den Bachilion mit wenigen Reitern schwimmend,indem mehrere seiner ausgezeichneten Genossen in dem Flusse ertranken.Die zahlreichen Schwärme von Landleuten, welche die Hügel besetzt hattenund ferner die Waffen schüttelten und mit gräßlichem Geheul dem FeindeVerderben drohten, wurden stiller, je mehr sie der Venetianer Unstern wahr-nahmen, und entwichen allmählich in Wälder und Klüfte, ehe die siegreicheReiterei wider sie heraufsprengte.

Weit umher war die Niederlage der Besiegten, und sechsundzwanzig ihrerHauptleute und Fähnriche lagen getötet: durch die Spanier und Italienerwurden viele gefangen gemacht und erhalten, auch Baleone; aber verlorenwar, was in die Hände der Deutschen fiel. Der Legat Lauredanus, indem

283