einen Pokal Wein in der Brust habe, so wären sie ihm lieber denn die Seinigen,die Harnische trügen bis auf die Füße. Er wolle lieber da ehrlich umkommen,als schändlich abziehn.
Voll solcher Freudigkeit sprachen er und die beiden andern Obersten derDeutschen, Georg von Lichtenstein und Hans Jacob von Landaw, sich tröst-lich einander zu, und gingen um Mitternacht, da schlaflos und bekümmertbei spärlichem Feuer und in grausenvollem Dunkel das Heer lag, zu dem Feld-herrngezelte des Grafen Kardona, wo sie auch der andren Nationen Obristentrafen.
Alle stimmten darin überein, daß sie in dieser Lage gänzlich verloren wären,wenn noch, was von der Jahreszeit zu fürchten war, Platzregen auf sie herab-stürzten; daß sie sogleich schlagen müßten, aber nicht in dieser traurigenStellung mit einem Feinde, der wie in Vesten stehe: sondern sie wollten stillaufbrechen und etwas rückwärts gehen, zur Rechten gen Bassano; ohneZweifel werde Alviano sie verfolgen, und dann wollten sie in einer Ebene ihmStand halten; miede er die Schlacht, so gelänge ihnen wohl, durch einen Um-weg über die Tridentinischen Alpen nach Verona zu ziehen.Schon hatte Alviano nach Padua geschickt: die Herren sollten herauskommenund sehen, wie es dem Feinde gehen werde, welchen er auf der Schlachtbankhabe. Schon liefen die Paduaner herbei und stiegen auf Bäume und An-höhen, um zu schauen, wie man die Feinde niedermetzeln würde. Allein leisebrach der Vizekönig auf, sobald es dämmerte. Ein ungemein dicker Nebel aufden Bergen und Feldern verhinderte, daß Alviano den Abzug des vereintenHeeres sogleich gewahr wurde; und als es geschah, war er unentschlossen,ob er zur Verfolgung aufbrechen sollte. Er wußte, daß alle Wege dem Feindeabgeschnitten waren, und selbst die Tridentinischen Alpen, in welchen Kar-dona nur eine äußerst geringe Besatzung zurückgelassen hatte, konnte erschneller erreichen. Doch Lauredanus, einer von der Republik Legaten imLager, schalt des Feldherrn Trägheit, der den flüchtigen zerrütteten Feindgleichsam aus den Händen entschlüpfen lasse. Da wandte sich Alvianound sprach: „Wir wollen, freilich verwegen, doch hochgesinnt, die Schlachtgefährden, da unmäßige Gewalt des Befehls die Vernunft bindet, auf daß nicht,wenn ich heute vorsichtig und Zaudrer sein wollte, ich bald darauf der Treu-losigkeit und Feigheit im Senate angeklagt werde und durch widerwärtigeund boshafte Stimmen der Unerfahrnen zusammenfalle." Mit großer Wutgab er das Zeichen zur Schlacht und folgte stürmisch dem Feinde.Durch enge Schlünde eilte Venedigs Heer, in schmalen Reihen, haltungs-voll, und zu einem breiteren Gefilde gelangt, schaute es dort die Spanier undDeutschen, die in viereckter Schlachtordnung zogen, um sogleich nach allenSeiten zum Kampf fertig zu sein. Indem Alviano die Truppen und das Geschütz,um die Schlachtordnung zu entwickeln, vollends aus den Engen zog, schickteer die leichten Pferde vorauf mit drei Falkonen: sie sollten den feindlichenNachtrab anplatzen. Sofort tat sich die deutsche Reiterei in einen dichtenHaufen zusammen, stürmte gegen die venetianischen Pferde, warf sie aus-einander und nahm die drei Falkonen. So begann am siebenten Oktoberdes Jahres 1514 die Schlacht bei dem Dorf lein Kreatio auf der von Bergen
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