fürsten von der Pfalz, der ihn gegen seine Feinde brauchte, ihm Raum machte,Rückhalt verlieh, ihn insgeheim oder offen unterstützte. Da ward er aus einemnicht sehr bedeutenden Ritter, dem ein paar Burgen gehörten, in kurzer Zeitein mächtiger Kondottiere, der ein kleines Kriegsheer auf eigne Hand ins Feldstellen konnte. Je angesehener er aber wurde, desto mehr fühlte er sich auchversucht und berechtigt, seine eigene Politik zu befolgen. Zuerst in dem wür-tembergischen Kriege riß er sich von dem Kurfürsten los, dem diese Unter-nehmung nicht eben sehr erwünscht kam. Doch auch an den schwäbischenBund schloß er sich darum nicht an; sehr bald trat er vielmehr mit den frän-kischen Rittern, die dieser anfeindete, in das engste Verständnis. Eben hierinliegt das Großartige seiner Haltung. Sickingen und die Ritterschaft hieltendie Opposition allein aufrecht. Der Gedanke erhob sich in ihnen, noch einmaldie alten Grundlagen der Unabhängigkeit des Adels zu beleben, sich der Terri-torialherrschaft geistlicher und weltlicher Fürsten zu entledigen, der neuenreligiösen Überzeugung Bahn zu brechen. Es ist die eigenste Kombination:mitten in den Gewaltsamkeiten, die man begeht, hat man doch einen lebendigoffenen Sinn für großartige Ideen; eben in dieser Verbindung besteht das Wesendes Adels jener Zeit. Indessen war man weder geistig so kraftvoll, noch po-litisch so mächtig, um Gedanken dieser Art durchzuführen. Wie Sickingenendlich das Fürstentum entschieden angreift, erheben sich gewaltigere Mächtewider ihn: die Pfalz läßt ihn nicht allein fallen, sondern sie verbindet sich so-gar mit seinen Ge*gnern zu seinem Verderben. Da muß er erfahren, daß erdoch nicht so mächtig ist, wie er glaubte, daß die Kräfte, die ihn gehoben,nicht ganz die seinen sind und sich vielmehr wider ihn wenden; in diesemKonflikt geht er unter. — —
Von Landstuhl, wo er sich aufhielt, sah er eines Tages Reiter in den entferntenGebüschen erscheinen; er schmeichelte sich, es seien Lutheraner, welchesehen wollten, was er treibe, aber sie kamen nicht näher, sie banden die Pferdein jenem Buschwerk an; es war eben der Vortrab der Feinde, welche anlangten,um ihn zu belagern.
Indessen war er unbesorgt. Er zweifelte nicht, sich in der Feste, die er erstvor kurzem hergestellt hatte, wenigstens ein Vierteljahr halten zu können:seinen Verbündeten werde Zeit bleiben, zu kommen und ihn zu entsetzen.Da aber zeigte sich doch, daß er die Kriegskräfte, wie sie sich in dem letztenJahrhundert entwickelt, nicht richtig berechnete. Er war jetzt darauf an-gewiesen, sich wie die alten Ritter zu verteidigen; es kam darauf an, ob dieBergspitze, die felsenfesten Turmgewölbe, die dicken Mauern noch eine Frei-statt gegen das Geschütz gewährten. Es zeigte sich sehr bald, daß die neueKriegskunst der alten Verteidigung zu mächtig war. Am 30. April 1523 fingendie Fürsten an, die Burg aus ihren Kartaunen, Notschlangen und Scharf-metzen zu beschießen; sie waren sehr wohl versehen, sehr wohl bedient;der junge Landgraf, der in der Tracht eines Landsknechtes erschien, zeigteMut und Geschicklichkeit: noch an demselben Tage brach der große Turm,von welchem ihr Lager übersehen und bedroht wurde, zusammen. Eben ihrerNeuheit halber leisteten die Mauern den Kugeln keinen rechten Widerstand.Indem Sickingen dieses unerwartete Unheil bemerkte, nach einer Schieß-
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