Ägypten geflohen oder sonst etwas Ähnliches führen sie auf. Die öffentlichenHauptfeste der deutschen Städte aber bilden damals die Freischießen, welchefür die Bürger dasselbe wie für die Adligen die Turniere sind. Armbrust undFeuerrohr, die bürgerliche Wehr, drängen in Ernst und Spiel die ritterlicheLanze immer mehr in den Hintergrund. Zu solchen Schützenfesten kommtman aus ganzen Landschaften in eine Stadt zusammen, welche dann die groß-artigste Gastfreundschaft übt. Da ist für Ernst und Scherz gesorgt, zwischenden Einwohnern der verschiedenen Orte wird ein frischer Wetteifer angeregt,und um das Gefühl der Zusammengehörigkeit bei den Deutschen der mannig-fachen Gaue zu wecken, ist das fast die einzige Gelegenheit. Monatelang dauerndie Vorbereitungen, die Ausschmückung des Schießplatzes, die Beschaffungder Preise, die feierliche Herrichtung der ganzen Stadt und ein glänzenderAuszug mit wehenden Fahnen, die städtischen Würdenträger voran, eröffnetdas Fest. Zur Herbstmesse 1506 findet zu Frankfurt am Main ein Schießenstatt, das in ganz Deutschland ausgekündet worden. Auch Augsburg beteiligtsich; mit den dortigen Kaufleuten ziehen sechs freudige Schützen hinaus,„denen ein ehrbarer Rat sechzig Gulden zur Zehrung verehret und die dannauch nicht die Wenigsten gewesen". 1511 findet ein Schießen zu Münchenstatt, wo der Augsburger Wilhelm Rehm das Beste gewinnt, „welches aberdie Bayern nicht wenig verdrossen". Im Jahre 1509 ist zu Augsburg selbstein großes Schützenfest, wozu sogar von Paris einer gekommen. HeinrichMerker von Lindau wird als der beste Gewinner genannt. Mannigfache andereKurzweil kommt hier zum Schießen hinzu; an allerlei Schauspielen ist keinEnde. Wettkämpfe finden auch im Laufen, Ringen und Tanzen statt; Fechter-banden führen auf dem Schießplatze ihre blutigen Kämpfe auf. Das Ergötz-lichste für jedermann ist aber ein Glückshafen, bei welchem der Einsatz achtPfennige und der höchste Gewinn fünfzig Gulden beträgt. Zahlreiche Gaste-reien, oft mit Tanz, vom Rate veranstaltet, bilden die Krone des Ganzen.-------
Was zu dem ohnehin bunten und geräuschvollen Treiben der Reichsstadtdurch Kaiser Max noch hinzukam, bestand nicht bloß im Glanz seiner Hofhal-tung, der im Vergleich zu andern Fürsten der Zeit nicht gerade übermäßig war.Großes Leben vielmehr brachten vor allem die Reichstage, welche auf seinemBefehl hier abgehalten wurden. Da ziehen die Fürsten und Mächtigen herbei.Jeden empfängt man achtungsvoll und reicht ihm in seiner Herberge den Will-kommtrunk. Es war die Zeit, wo man mit Reden Prunk trieb, und so hältmancher Gesandte in den Versammlungen „eine stattliche, geschmierte Ora-tion". Gerade an die Reichstage schließen sich dann die meisten Ritterspieleund hübsche, zierliche Tänze an, welche die Geschlechter abends in ihremTanzhause oder unter Tages auf freien Plätzen veranstalten.Hoch ging es besonders im Jahre 1496 her, als des Kaisers Sohn, ErzherzogPhilipp, zum erstenmal die Reichsstadt besuchte, und mit eigener Vorliebe,ja sogar wahrhaft romantisch wird dieser Aufenthalt von den Chroniken ge-schildert. Nachdem die Geschlechter ihm zu Ehren auf ihre Weise Turniereund Tänze angerichtet, will auch er ihnen eine besondere Artigkeit erzeigen.Um ihnen etwas Neues zu bieten, ahmt er ein dörfisches Vergnügen nach-Am Sankt Johannisabend läßt er einen hohen Scheiterhaufen von Maien
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