Auf dem ciminischen Bergwalde weissagte Friedrich seinem Begleiter Picco-lomini das Papsttum. Er langte am 8. März vor Rom an mit mehr als 2000 Rei-tern. Auf dem ersten Hügel, welcher den Blick freigibt, ward Halt gemachtund die im Abendglühen strahlende Stadt bewundert. Klerus, Magistrat undAdel, die Colonna an dessen Spitze, kamen ihm entgegen. Er würdigte dieKardinäle kaum eines Grußes, aber mit Auszeichnung behandelte er denSenator Nicolo de Porcinario von Aquila, einen gelehrten StudiengenossenPiccolominis, er entblößte sein Haupt und umarmte ihn. Piccolomini konntenicht die Bemerkung unterdrücken, daß in früheren Zeiten auch der Papstdem romfahrenden Kaiser entgegenkam: „doch jede Macht erleidet ihreWandlung; einst überstrahlte die kaiserliche Würde alles, jetzt ist die päpst-liche größer als sie."
Da der römische König der Sitte gemäß wenigstens eine Nacht vor den Mauernzubringen mußte, blieb Friedrich im Landhaus des Florentiner WechslersSpinelli am Kreuz des Monte Mario, während Leonora in einer andern Villaübernachtete. Das Gefolge lagerte auf den neronischen Wiesen. FolgendenTags fand der Einzug statt. Nach altem, jetzt bedeutungslosem Gebrauchbeschwor Friedrich erst die Freiheiten der Römer, dann ritt er zum Tor desKastells in einem strahlenden Ornat, dessen Schmuck man auf 200000 Du-katen schätzte. Der Burggraf von Nürnberg trug das Reichspanier, der Mar-schall Heinrich von Pappenheim das Schwert. Donna Leonora wurde vomHerzog von Teschen und dem Marques von Valenca geführt. Am Tor desKastells begrüßten den König Klerus und Adel; auch der Stadtpräfekt Fran-cesco Orsini trug ihm das bloße Schwert nach. Der argwöhnische Papst,welcher Straßen und Plätze mit Truppen hatte besetzen lassen, erwartete dieAnkommenden auf der Treppe St. Peters, wo Friedrich und Leonora von denPferden stiegen und sich mit einem Knie zur Erde neigten. Der König küßtedes Papstes Fuß, Hand und Wange, opferte einen Klumpen Goldes, schworden von ihm begehrten Eid und betrat dann mit Nicolaus den Dom.Nach dem Wunsche des Papstes wurde die Krönung auf den 19. März, denJahrestag seiner eignen Weihe, festgesetzt. Bis dahin wohnte Friedrich imVatikan. Er besuchte jedoch Rom, was man unpassend fand; nur die Engels-brücke betrat er nicht. Am 16. März segnete Nikolaus die Ehe des kaiserlichenPaares ein und krönte Friedrich mit der eisernen Krone, welche durch diesilberne von Aachen ersetzt wurde. Die Mailänder Oratoren protestierten,aber der Papst erklärte in einer Bulle, daß Friedrich, verhindert die Kroneder Lombarden in Mailand zu nehmen, ihn ersucht habe, dieselbe ihm in Romzu erteilen, was demnach geschehen sei, ohne die Rechte des Mailänder Erz-bischofs zu beeinträchtigen. Der eitle Kaiser, welcher gern mit Edelsteinenprunkte und sich im Festpomp wohlgefiel, hatte die Insignien des Kaisertumsaus Nürnberg mit sich gebracht, wo sie im Jahre 1424 von Sigismund warenniedergelegt worden. Man hielt sie noch für jene Karls des Großen, aberPiccolomini bemerkte auf dem Kaiserschwert den böhmischen Löwen Karls IV.,und der kaiserliche Ornat überhaupt erschien ihm dürftig.Diese Kaiserkrönung war die letzte, welche in Rom vollzogen wurde. Zumletzten Male zeigte sich am 19. März 1452 den Römern der vom Papst in Sankt
274