und Carvajal begrüßten ihn in Florenz im Namen des Papstes. Der berühmteKanzler Carlo Marsuppini verherrlichte ihn durch eine ciceronische Rede,und während seines dreizehntägigen Aufenthalts huldigten ihm die Florentinermit so schönen Festen, daß die deutschen Junker ewig am Arno zu lebenwünschten. Kunst und Wissen, Adel der Form und heiterste Menschlichkeitblühten damals in dem italischen Volk, zumal in Florenz, und sie botenden Deutschen ein berauschendes Schauspiel farbenprächtiger Feste, wie siekein romfahrender Kaiser zuvor hätte genießen können.Von Florenz wollte Friedrich nach Siena zum Empfange seiner Verlobtenziehen. Denn während er sich auf der Romfahrt festlich fortbewegte, hielt dieschöne Portugiesin ihre langweilige Brautfahrt auf dem Meer. Unter vielenTränen, welche indes die Aussicht, Kaiserin zu sein, trocknen half, hatteDonna Leonora erst am 12. November 1451 Lissabon Lebewohl gesagt, umeinem Gemahl entgegenzuziehen, den sie nie gesehen hatte, dessen Sprachesie nicht verstand und an welchen sie in einem rauhen Lande für immer ge-kettet sein sollte. Sie segelte unter dem Schutze des Marques von Valencamit einer ganzen Flotte und 2000 Mann Bedeckung, welche dies KleinodPortugals gegen lüsterne Korsaren verteidigen sollten. Unter Gefahren jederArt schwebte die mutige Kaiserbraut 104 Tage lang — heute würden fünfhinreichen — auf der See, ohne jemals, außer in Ceuta, einen Hafen zu be-rühren. Schon war Friedrich in Tuscien und Piccolomini in Siena, wo dieVolkspartei in Aufregung geriet. Man zwang den Bischof und Gesandten desKaisers, sich nach dem Hafen von Telamon zu begeben, und hier warteteder Brautführer zwei lange Monate, angstvoll in die grauen Meeresflutenspähend, die dort das Kap Argentaro umrauschen. Donna Leonora landeteendlich am 2. Februar 1452 in Livorno, und auf diese Freudenbotschaft be-fahl Friedrich seinem Abgesandten, die ermüdete Prinzessin in Pisa zu emp-fangen und ihm nach Siena entgegenzuführen.
Vor der Porta Camolia dieser Stadt bezeichnet noch eine Säule den Ort, woam 24. Februar 1452 die reizvollste Szene gesehen ward; denn hier empfingFriedrich III., ein Mann von 35 Jahren, die sechzehnjährige Waise von Por-tugal. Eingeholt von prachtvollen Scharen der Ritterschaft und der Bürger,umgeben von ihrem eigenen Hof, kam sie daher und überstrahlte den Glanzdieses Schauspiels durch das sanfte Feuer ihrer schwarzen Augen, ihr jung-fräuliches Erröten und die wonnevolle Blüte ihrer Jugend und südlichen Ge-stalt. Entzückt schloß sie Friedrich in seine Arme. Piccolomini hat die vier-tägigen Schauspiele, welche Siena, die Stadt der Grazien und der Liebe, demkaiserlichen Paare gab, anziehend beschrieben. Anmutige Frauen priesenvon Tribünen herab in wohlklingenden Reden oder Gedichten die Schönheitder Braut oder das Glück der Liebe, und sie tanzten auf geschmücktenPlätzen ihre Nationaltänze, bis sie von der Dreistigkeit der Portugiesenbeleidigt, sich sittsam zurückzogen. Piccolomini, Bischof und Weltmannund jetzt der Vertraute Friedrichs, würzte ihm die Gelage als heiterer Schön-geist, aber die Kardinallegaten verbitterten sie durch die herrische Forde-rung des klementinischen Treueides. Friedrich unterwarf sich nach einigemSträuben dieser Demütigung.--------
30 Wolters, Der Deutsche. III, 3. ___
273