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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
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kein Vaterland, und ihm gebricht es an dem Besten, was das Schicksal zurAusrüstung des Mannes zu verleihen vermag. Denn nicht nur in der Knecht-schaft ist die Hälfte des Mannes geraubt: ohne Staat und unmittelbares Vater-land gilt auch der Beste wenig, durch sie auch der Einfältige viel. Sind nundie Zeiten gefahrvoll und bedrängt, so wird denen, die zur Verteidigung derNation berufen sind, durch diese NichtStaaten um und neben ihnen viel Kraftentzogen und ihre Last vervielfacht. (B. G. Niebuhr, Preußens Recht gegenden sächsischen Hof, 1814.)

DER STAAT ALS MAKROANTHROPOS

Der Mensch hat den Staat zum Polster der Trägheit zu machen gesucht, unddoch soll der Staat gerade das Gegenteil sein: er ist eine Armatur der gespann-ten Tätigkeit, sein Zweck ist, den Menschen absolut mächtig und nicht absolutschwach, nicht zum trägsten, sondern zum tätigsten Wesen zu machen.Der Staat überhebt den Menschen keiner Mühe, sondern er versucht, seineMühseligkeiten vielmehr ins Unendliche, freilich nicht ohne seine Kraft insUnendliche zu vermehren. Der Weg zur Ruhe geht nur durch das Gebietder allumfassenden Tätigkeit.

Der vollkommene Bürger lebt ganz im Staate, er hat kein Eigentum außerdem Staate. Das Völkerrecht ist der Anfang zur universellen Gesetzgebung,zum universellen Staate.

Der Staat ist immer instinktmäßig nach der relativen Einsicht und Kenntnisder menschlichen Natur eingeteilt worden, der Staat ist immer ein Makro-anthropos gewesen: die Zünfte die Glieder und einzelnen Kräfte, die Ständedas Vermögen. Der Adel war das sittliche Vermögen, der Priester das reli-giöse Vermögen, die Gelehrten die Intelligenz, der König der Wille, so daßjeder Staat immer ein allegorischer Mensch gewesen ist.

Der Staat wird zu wenig bei uns verkündigt. Es sollte Staatsverkündiger,Prediger des Patriotismus geben. Jetzt sind die meisten Staatsgenossen auf einemsehr gemeinen, dem feindlichen sehr nahe kommenden Fuße mit ihm.Die Lehre vom Mittler leidet Anwendung auf die Politik. Auch hier sind derMonarch oder die Regierungsbeamten Staats-Repräsentanten, Staatsmittler.Je geistvoller und lebendiger die Glieder sind, desto lebendiger, persönlicherist der Staat. Aus jedem echten Staatsbürger leuchtet der Genius des Staateshervor, so wie in einer religiösen Gemeinschaft ein persönlicher Gott gleich-sam in tausend Gestalten sich offenbart: der Staat und Gott sowie jedes gei-stige Wesen erscheint nicht einzeln, sondern in tausend mannigfaltigen Ge-stalten. (Novalis, Fragmente, Ausg. Schlegel-Tieck, 1802.)

DEUTSCHE STAATSKUNST

Auch sie will Festigkeit, Sicherheit und Unabhängigkeit von der blinden undschwankenden Natur und ist hierin mit dem Auslande ganz einverstanden.Nur will sie nicht wie diese ein festes und gewisses Ding als das erste, durchWelches der Geist als das zweite Glied erst gewiß gemacht werde, sondern sie

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