selbe Kultur die Gemeinschaft mit einer andern Welt eröffnet, die durch gei-stige Kräfte jene versiegende Naturkraft ersetzt und bei den Umwandlungender Staaten ihre Dienste versieht. Es ist dies jene geheimnisvolle Ideenwelt,die nach alter Lehre erfüllend die unendliche Tiefe des Geisterreichs und gleichdem Ätherhimmel über unserm Selbstbewußtsein ausgespannt, in alle Klüfteder Unterwelt ihr Licht niedergießt und alle Gestaltungen beseelt. (Görres,Deutschland und die Revolution, 1819.)
KLEINSTAATEN UND VATERLAND
Wie alle Staatsverfassungen wandelbar sind und keine mit unveränderlicherBeständigkeit ausgerüstet ist, so auch der Umfang und Bestand der Staaten.Für beide gibt es Krisen, welche die Natur herbeiführt, die den Übergang zueinem neuen Zeitraum bilden und zwei verschiedene Rechtszustände ab-grenzen; sie selbst sind Revolutionen, die, sobald ihr Anfang eingetreten ist,nicht nach den Regeln beurteilt werden können, die für einen dauerndenZustand gelten. Einen in der Tat bestehenden rechtlichen Zustand zu stören,ist Unrecht. Wenn dieser aber nur dem Namen nach fortdauert, wenn er sichganz auflöst, und in der verwirrten Masse neue Bildungen anfangen, wennsich alle Verhältnisse verändern und alles nach einem neuen Zustande hin-strebt, in dessen Vollendung endlich einmal wieder Ruhe und für eine Zeitlangwirklicher Gültigkeit fähige Rechtsverhältnisse eintreten können, — so mußdieser Zeitraum des Konflikts erregter Kräfte nicht wie einer der Ruhe be-urteilt werden.-------
Je mehr der Mensch Bürger, je lebhafter und häufiger in jedem das Bewußt-sein des Staats ist, um so vollkommener ist das Leben der Einzelnen und desStaates, der ihre Gesamtheit bildet. Daher ist es ausgemacht wahr, daß kleinefreie Gemeinden und Fürstentümer, solange sie in sich und gegen andere selb-ständige Staaten sich darstellen können, den vorteilhaftesten Zustand für denMenschen gewähren wie in der alten europäischen Welt vor Alexanders Zeit-alter und in der neuen derjenige war, welcher mit dem elften Jahrhunderteintrat. Wie aber niemand die goldenen Tage der Kindheit und des Jugend-alters binden kann, sondern mit der Zeit vorwärts muß, wenn sie ihm gleichkeine Blüten mehr bietet, wie der, welcher die Vergangenheit träumend fest-halten möchte, sich um alle Gegenwart bringt: so ergeht es, wenn man dasAnerkenntnis des Glücks jener Zeiten und den Wunsch, ihre äußere Formaufzubewahren, verwechselt.
Die Zeit verwandelt sich, Reiche entstehen und werden mächtig, und diekleinen Gemeinden und Fürstentümer hören auf, Staaten zu sein. Denn einStaat kann nur heißen, was in sich Selbständigkeit hat, fähig ist, den Willenzu fassen, fest zu behaupten und sein Recht geltend zu machen; nicht, waseinen solchen Gedanken gar nicht hegen kann, was sich einem fremden Willenanschließen und unterordnen muß, und diesen ergreifen, wo er der eigenenLebensfristung am günstigsten scheint. Solche geschätzte Gemeinden mögendenen, die in Zeiträumen von Ruhe in ihnen leben, sehr gemächlich sein,günstig sogar für Literatur und Künste: aber wer nur ihnen angehört, hat
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