bleibt dabei stets dieselbe. Mehr als dies Gesetz bestimmt, kann in der Körper-welt nicht geschehen,.auch nicht weniger; die mechanische Ursache geht reinauf in der mechanischen Wirkung. Die neben den materiellen Vorgängen imGehirn einhergehenden geistigen Vorgänge entbehren also für unsern Ver-stand des zureichenden Grundes. Sie stehen außerhalb des Kausalgesetzes,und schon darum sind sie nicht zu verstehen, so wenig wie ein Mobile per-petuum es wäre. Aber auch sonst sind sie unbegreiflich.
Es scheint zwar bei oberflächlicher Betrachtung, als könnten durch die Kennt-nis der materiellen Vorgänge im Gehirn gewisse geistige Vorgänge und An-lagen uns verständlich werden. Ich rechne dahin das Gedächtnis, den Fleißund die Assoziation der Vorstellungen, die Folgen der Übung, die spezifischenTalente und dergleichen mehr. Das geringste Nachdenken lehrt, daß diesTäuschung ist. Nur über gewisse innere Bedingungen des Geisteslebens,welche mit den äußeren durch die Sinneseindrücke gesetzten etwa gleich-bedeutend sind, würden wir unterrichtet sein, nicht über das Zustandekommendes Geisteslebens durch diese Bedingungen.
Welche denkbare Verbindung besteht zwischen bestimmten Bewegungen be-stimmter Atome in meinem Gehirn einerseits, andererseits den für mich ur-sprünglichen, nicht weiter definierbaren, nicht wegzuleugnenden Tatsachen:,,Ich fühle Schmerz, fühle Lust; ich schmecke Süßes, rieche Rosenduft, höreOrgelton, sehe Rot", und der ebenso unmittelbar daraus fließenden Gewiß-heit: „Also bin ich?" Es ist ebenso durchaus und für immer unbegreiflich,daß es einer Anzahl von Kohlenstoff-, Wasserstoff-, Stickstoff-, Sauerstoff-Und so weiter Atomen nicht sollte gleichgültig sein, wie sie liegen und sichbewegen, wie sie lagen und sich bewegen, wie sie liegen und sich bewegenWerden. Es ist in keiner Weise einzusehen, wie aus ihrem ZusammenseinBewußtsein entstehen könne. Sollte ihre Lagerungs- und Bewegungsweiseihnen nicht gleichgültig sein, so müßte man sie sich nach Art der Monadenschon einzeln mit Bewußtsein ausgestattet denken. Weder wäre damit dasBewußtsein überhaupt erklärt, noch für die Erklärung des einheitlichenBewußtseins des Individuums das Mindeste gewonnen.
Es ist also grundsätzlich unmöglich, durch irgendeine mechanische Kom-bination zu erklären, warum ein Akkord Königscher Stimmgabeln mir wohl-,und warum Berührung mit glühendem Eisen mir wehtut. Kein mathematischüberlegender Verstand könnte aus astronomischer Kenntnis des materiellenGeschehens in beiden Fällen a priori bestimmen, welcher der angenehmeUnd welcher der schmerzhafte Vorgang sei. Daß es vollends unmöglich seiUnd stets bleiben werde, höhere geistige Vorgänge aus der als bekannt voraus-gesetzten Mechanik der Hirnatome zu verstehen, bedarf nicht der Ausführung,^och ist, wie schon bemerkt, gar nicht nötig, zu höheren Formen geistigerTätigkeit zu greifen, um das Gewicht unsrer Betrachtung zu vergrößern.Sie gewinnt gerade an Eindringlichkeit durch den Gegensatz zwischen der^Vollständigen Unwissenheit, in welcher astronomische Kenntnis des Gehirnsür »s über das Zustandekommen auch der mindesten geistigen Vorgänge ließe,Un d der durch solche Kenntnis gewährten ebenso vollständigen Enträtselungder höchsten Probleme der Körperwelt.
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