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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
Seite
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kels, einer Drüse, eines elektrischen oder Leucht-Organes in Verbindungmit den dazugehörigen gereizten Nerven, einer Flimmerzelle, einer Pflanze,des Eies in Berührung mit dem Samen oder auf irgendeiner Stufe der Ent-wicklung gebracht. Alsdann besäßen wir also von diesen materiellen Systemendie vollkommenste uns mögliche Kenntnis, unser Kausalitätstrieb wäre so-weit befriedigt, daß wir nur noch verlangten, das Wesen von Materie undKraft selber zu begreifen. Muskelverkürzung, Absonderung in der Drüse,Schlag des elektrischen, Leuchten des Leucht-Organs, Flimmerbewegung,Wachstum und Chemismus der Zellen in der Pflanze, Befruchtung und Ent-wicklung des Eies: alle diese jetzt fast hoffnungslos dunklen Vorgänge wärenuns so durchsichtig, wie die Bewegungen der Planeten.

Machen wir dagegen dieselbe Voraussetzung astronomischer Kenntnis fürdas Gehirn des Menschen oder auch nur für das Seelenorgan des niederstenTieres, dessen geistige Tätigkeit auf Empfinden von Lust und Unlust oder aufWahrnehmung einer Qualität sich beschränken mag, so wird zwar in bezugauf alle darin stattfindenden materiellen Vorgänge unser Erkennen ebensovollkommen sein und unser Kausalitätstrieb ebenso befriedigt sich fühlen,wie in bezug auf Zuckung oder Absonderung bei astronomischer Kenntnisvon Muskel oder Drüse. Die unwillkürlichen und nicht notwendig mit Emp-findung verbundenen Wirkungen der Zentralteile, Reflexe, Mitbewegung,Atembewegungen, Tonus, der Stoffwechsel des Gehirns und Rückenmarksund dergleichen mehr wären erschöpfend erkannt. Auch die mit geistigenVorgängen der Zeit nach stets, also wohl notwendig zusammenfallendenmateriellen Vorgänge wären ebenso vollkommen durchschaut. Und es wärenatürlich ein hoher Triumph, wenn wir zu sagen wüßten, daß bei einem be-stimmten geistigen Vorgange in bestimmten Ganglienzellen und Nerven-fasern eine bestimmte Bewegung bestimmter Atome stattfinde. Es wäregrenzenlos interessant, wenn wir so mit geistigem Auge in uns hineinblickenddie zu einem Rechenexempel gehörige Gehirnmechanik sich abspielen sähen,wie die Mechanik einer Rechenmaschine; oder wenn wir auch nur wüßten,welcher Tanz von Kohlenstoff-, Wasserstoff-, Stickstoff-, Sauerstoff-, Phos-phor- und anderen Atomen der Seligkeit musikalischen Empfindens, welcherWirbel solcher Atome dem Gipfel sinnlichen Genießens, welcher Molekular-sturm dem wütenden Schmerz beim Mißhandeln des Nervus trigeminvis ent-spricht.

Was aber die geistigen Vorgänge selber betrifft, so zeigt sich, daß sie beiastronomischer Kenntnis des Seelenorgans uns ganz ebenso unbegreiflichwären wie jetzt. Im Besitze dieser Kenntnis ständen wir vor ihnen wie heuteals vor einem völlig Unvermittelten. Die astronomische Kenntnis des Gehirns,die höchste, die wir davon erlangen können, enthüllt uns darin nichts, alsbewegte Materie. Durch keine zu ersinnende Anordnung oder Bewegungmaterieller Teilchen aber läßt sich eine Brücke ins Reich des Bewußtseinsschlagen.

Bewegung kann nur Bewegung erzeugen oder in potentielle Energie zurücksich verwandeln. Potentielle Energie kann nur Bewegung erzeugen, stati-sches Gleichgewicht erhalten, Druck oder Zug üben. Die Summe der Energie

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