noch Vorbilder in der wirbellosen Tierwelt; eine Kulturgeschichte weist nursie auf. Pferd und Eisen nennt Hegel die „absoluten Organe, wodurch einegegründete Macht herbeizuführen ist". Wir sagen, Naturwissenschaft ist dasabsolute Organ der Kultur und die Geschichte der Naturwissenschaft die eigent-liche Geschichte der Menschheit.
Je winziger vom archimedischen Standpunkt das Menschengeschlecht sich aus-nimmt, um so großartiger erscheinen nun seine Leistungen der Natur gegen-über, um so würdiger sein Streben in ihrem Dienst, um so anziehender die Ge-schichte seiner geistigen Eroberungszüge. Wie diese Geschichte andere Gedenk-tage und andere heilige Stätten hat, als die bürgerliche Geschichte, so sindfreilich auch ihre Könige und Helden andere als die, welchen die Welt gewohntist, ihre gedankenlosen Huldigungen darzubringen. Wer ists, der in dieserGeschichte um den Anfang des achtzehnten Jahrhunderts den Blick fesselt?Nicht, umgeben von seinen Beichtvätern, Kebsinnen und mordbrennerischenMarschällen, der König, gegen welchen nach Rankes Wort an Thiers wirnoch nach Sedan die Waffen trugen, sondern unter den Ulmen von Cambridgeeinem Problem nachsinnend der größte der Sterblichen, Sir Isaac Newton.Wer um den Anfang dieses Jahrhunderts? Nicht auf den Trümmern vonMoskau der unbändige Mann, der als Werkzeug seiner rasenden Selbstsuchtden Chauvinismus erfand, sondern in seiner Villa am Comersee AlessandroVolta, das künstliche elektrische Organ zusammenfügend, welches dem Men-schen gleichsam Allgegenwart verlieh; oder vor seinem kohlegeschwärztenHäuschen zu Killingworth, das Modell der Eisenbahnlokomotive in Gangsetzend, der andere Raumüberwinder, George Stephenson. (Emil du Bois-Reymond, Kulturgeschichte und Kulturwissenschaft, 1877.)
GRENZEN DES NATURWISSENSCHAFTLICHEN ERKENNENS
Das neue Unbegreifliche ist das Bewußtsein. Ich werde jetzt, wie ich glaube,in sehr zwingender Weise dartun, daß nicht allein bei dem heutigen Standunsrer Kenntnis das Bewußtsein aus seinen materiellen Bedingungen nichterklärbar ist, was wohl jeder zugibt, sondern daß es auch der Natur der Dingenach aus diesen Bedingungen nie erklärbar sein wird.
Ich gebrauche dabei absichtlich den Ausdruck „Bewußtsein", weil es hier nurum die Tatsache eines geistigen Vorgangs irgendeiner, sei es der niederstenArt, sich handelt. Man braucht nicht Watt, sein Parallelogramm erdenkend,nicht Shakespeare, Raffael, Mozart in der wunderbarsten ihrer Schöpfungenbegriffen sich vorzustellen, um das Beispiel eines aus seinen materiellen Be-dingungen unerklärbaren geistigen Vorganges zu haben. In der Hauptsacheist die erhabenste Seelentätigkeit nicht unbegreiflicher aus materiellen Be-dingungen, als das Bewußtsein auf seiner ersten Stufe, der Sinnesempfindung.Mit der ersten Regung von Behagen oder Schmerz, die im Beginn des tierischenLebens auf Erden ein einfachstes Wesen empfand, oder mit der ersten Wahr-nehmung einer Qualität ist jene unübersteigliche Kluft gesetzt und die Welt
n unmehr doppelt unbegreiflich geworden.--------
denken wir uns nun, wir hätten es zur astronomischen Kenntnis eines Mus-
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