satz eines andern sein, und die unermeßliche Reihe von einzelnen Gegen-sätzen müsse sich in einen allgemeinen Hauptgegensatz der ganzen Naturverlieren. Einheit sei in der Natur nur die höhere Bindung zweier entgegen-gesetzter Kräfte oder einer Polarisation gleich der des Magneten, welchereins ist, aber entgegengesetzte Pole hat. So sei auch die ganze Natur gleichsamein großer Magnet, mit dem einen abstoßenden, ausstrahlenden Pole, der be-wegenden, trennenden, zerreißenden Kraft, und mit dem andern anziehendenPole, der bindenden, zurückhaltenden, sammelnden Kraft. (Wolfgang Menzel,Die deutsche Literatur, 1836.)
KAMPF ZWISCHEN NATUR- UND GEISTESWISSENSCHAFT
Die Identitätsphilosophie ging von der Hypothese aus, daß auch die wirklicheWelt, die Natur und das Menschenleben das Resultat des Denkens eines schöp-ferischen Geistes sei, welcher Geist seinem Wesen nach als dem menschlichengleichartig betrachtet wurde. Sonach schien der menschliche Geist es unter-nehmen zu können, auch ohne durch äußere Erfahrungen dabei geleitet zusein, die Gedanken des Schöpfers nachzudenken und durch eigene innereTätigkeit dieselben wiederzufinden. In diesem Sinne ging nun die Identitäts-philosophie darauf aus, die wesentlichen Resultate der übrigen Wissenschaftena priori zu konstruieren. Es mochte dieses Geschäft mehr oder weniger gutgelingen in bezug auf Religion, Recht, Staat, Sprache, Kunst, Geschichte,kurz in allen den Wissenschaften, deren Gegenstand sich wesentlich auspsychologischer Grundlage entwickelt, und die daher unter dem Namen derGeisteswissenschaften passend zusammengefaßt werden. Staat, Kirche,Kunst, Sprache sind dazu da, um gewisse geistige Bedürfnisse der Menschenzu befriedigen. Wenn auch äußere Hindernisse, Naturkräfte, Zufall, Neben-buhlerschaft anderer Menschen oft störend eingreifen, so werden schließlichdoch die beharrlich das gleiche Ziel verfolgenden Bestrebungen des mensch-lichen Geistes über die planlos waltenden Hindernisse das Übergewicht er-halten und den Sieg erringen müssen. Unter diesen Umständen wäre es nichtgerade unmöglich, den allgemeinen Entwicklungsgang der Menschheit in be-zug auf die genannten Verhältnisse aus einem genauen Verständnis des mensch-lichen Geistes a priori vorzuzeichnen, namentlich wenn der Philosophierendeschon ein breites empirisches Material vor sich hat, dem sich seine Abstrak-tionen anschließen können. Hegel wurde in seinen Versuchen, diese Aufgabezu lösen, auch wesentlich unterstützt durch die tiefen philosophischen Blickein Geschichte und Wissenschaft, welche die Philosophen und Dichter der ihmUnmittelbar vorausgehenden Zeit getan hatten, und die er hauptsächlich nurzusammenzuordnen und zu verbinden brauchte, um ein durch viele über-raschende Einsichten imponierendes System herzustellen. So gelang es ihm, beider Mehrzahl der Gebildeten seiner Zeit einen enthusiastischen Beifall zu findenUnd überschwengliche Hoffnungen auf die Lösung der tiefsten Rätsel des Men-schenlebens zu erregen, das letztere um so mehr, als der Zusammenhang desSystems durch eine sonderbar abstrakte Sprache verhüllt war und vielleicht vonWenigen seiner Verehrer wirklich verstanden und durchschaut worden ist.
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