Pflanzen, mehr oder weniger verändert, blieben bei eiligem Vorüberrollennicht unbemerkt. Am mehrsten aber erkannt ich die Fülle einer fremdenVegetation, als ich in den botanischen Garten von Padua hineintrat, wo mireine hohe und breite Mauer mit feuerroten Glocken der Bignonia radicans zau-berisch entgegenleuchtete. Ferner sah ich hier im Freien manchen seltenenBaum emporgewachsen, den ich nur in unsern Glashäusern überwintern ge-sehen. Auch die mit einer geringen Bedeckung gegen vorübergehenden Frostwährend der strengern Jahreszeit geschützten Pflanzen standen nunmehrim Freien und erfreuten sich der wohltätigen Himmelsluft. Eine Fächerpalmezog meine Aufmerksamkeit auf sich. Glücklicherweise standen die einfachen,lanzenförmigen ersten Blätter noch am Boden, die sukzessive Trennung der-selben nahm zu, bis endlich das Fächerartige in vollkommener Ausbildungzu sehen war. Aus einer spatha-gleichen Scheide zuletzt trat ein Zweigleinmit Blüten hervor und erschien als ein sonderbares, mit dem vorhergehendenWachstum in keinem Verhältnis stehendes Erzeugnis, fremdartig und über-raschend.
Auf mein Ersuchen schnitt mir der Gärtner die Stufenfolge dieser Verände-rungen sämtlich ab, und ich belastete mich mit einigen großen Pappen, umdiesen Fund mit mir zu führen. Sie liegen, wie ich sie damals mitgenommen,noch wohlbehalten vor mir, und ich verehre sie als Fetische, die meine Auf-merksamkeit zu erregen und zu fesseln völlig geeignet, mir eine gedeihlicheFolge meiner Bemühungen zuzusagen schienen.
Das Wechselhafte der Pflanzengestalten, dem ich längst auf seinem eigen-tümlichen Gange gefolgt, erweckte nun bei mir immer mehr die Vorstellung:die uns umgebenden Pflanzenformen seien nicht ursprünglich determiniertund festgestellt, ihnen sei vielmehr bei einer eigensinnigen, generischen undspezifischen Hartnäckigkeit eine glückliche Mobilität und Biegsamkeit ver-liehen, um in so viele Bedingungen, die über dem Erdkreis auf sie einwirken,sich zu fügen und danach bilden und umbilden zu können.Hier kommen die Verschiedenheiten des Bodens in Betracht, reichlich genährtdurch Feuchte der Täler, verkümmert durch Trockne der Höhen, geschütztvor Frost und Hitze in jedem Maße, oder beiden unausweichbar bloßgestellt,kann das Geschlecht sich zur Art, die Art zur Varietät und diese wieder durchandere Bedingungen ins Unendliche sich verändern, und gleichwohl hält sichdie Pflanze abgeschlossen in ihrem Reiche, wenn sie sich auch nachbarlichan das harte Gestein, an das beweglichere Leben hüben und drüben anlehnt.Die allerentferntesten jedoch haben eine ausgesprochene Verwandtschaft,sie lassen sich ohne Zwang untereinander vergleichen.
Wie sie nun sich unter einen Begriff sammeln lassen, so wurde mir nach undn ach klar und klärer, daß die Anschauung noch auf eine höhere Weise belebtw erden könnte: eine Forderung, die mir damals unter der sinnlichen Forme iner übersinnlichen Urpflanze vorschwebte. Ich ging allen Gestalten, wie sie^ir vorkamen, in ihren Veränderungen nach, und so leuchtete mir am letzten^iel meiner Reise, in Sizilien, die ursprüngliche Identität aller Pflanzenteilev °llkommen ein, und ich suchte diese nunmehr überall zu verfolgen und wie-° e r gewahr zu werden.
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