allem Wunderbaren, womit er sich beschäftigt, bei allem Seltsamen, das erverspricht, fast gänzlich frei von Aberglauben; denn sein Vorahnden zukünf-tiger Möglichkeiten ruht auf einem sichern Fundament, so wie sein köstlichesBüchelchen De mirabili potestate artis et naturae gegen das Wüste, Absurdedes Wahnes ganz eigentlich gerichtet ist, nicht mit jener negierenden, erkäl-tenden Manier der Neuern, sondern mit einem glaubenerregenden, heiterenHinweisen auf echte Kunst und Natur kraft. (Goethe, Zur Farbenlehre, 1810.)
DEUTSCHLANDS ANTEIL AN DEN NATURWISSENSCHAFTEN
Betrachten wir den Anteil, welchen die Deutschen an den Entdeckungen imNaturgebiet genommen, so ist derselbe weit größer, als die Vorteile, die siedadurch errungen haben. Es ist bewunderungswürdig, daß wir mit so wenigenMitteln und ohne auf große Vorteile rechnen zu können, doch so viel für dieNaturkunde geleistet haben. Der Deutsche war seit dem Verfall der Hansaauf sein Binnenland beschränkt und besaß nichts von jenen Kolonien, welchedie Beherrscher der See ebenso zur Naturforschung auffordern, als dieselbebelohnen mußten. Auf Ackerbau und Viehzucht beschränkt und vom Welt-handel ausgeschlossen, waren ihm die Naturwissenschaften nie eigentlichAngelegenheit des Staats wie den Engländern und Franzosen, und seineFürsten waren nicht reich genug, um große naturhistorische Unternehmungenauszurüsten, oder es fehlte der Sinn dafür. Dennoch haben die Deutschen dasMögliche geleistet. Sie haben mit ihren schwachen Kräften sogar in Ent-deckungsreisen mit den Fremden gewetteifert, und Tiefenthaler, Niebuhr, diebeiden Forster, Humboldt waren Deutsche. Sollten uns aber auch die Fremdenim allgemeinen im Sammeln und Anhäufen von Tatsachen der Natur über-treffen, und geben wir den Engländern noch den praktischen Sinn für dieAnwendung der Naturkräfte, den Franzosen die feine Beobachtungsgabefür einzelne Naturgegenstände voraus, so bleiben die Deutschen doch un-übertroffen in der tiefen Kombination der empirischen Tatsachen, die einer-seits zu unsterblichen neuen Entdeckungen, andererseits zu einer Philosophieder Natur überhaupt führt. (Wolfgang Menzel, Die deutsche Literatur, 1836.)
GOETHES URPFLANZE'
Wir finden, daß neue Gegenstände in auffallender Mannigfaltigkeit, indem sieden Geist erregen, uns erfahren lassen, daß wir eines reinen Enthusiasmusfähig sind, sie deuten auf ein Höheres, welches zu erlangen uns wohl gegönntsein dürfte. Dies ist der eigentlichste Gewinn der Reisen, und jeder hat nachseiner Art und Weise genügsamen Vorteil davon. Das Bekannte wird neudurch unerwartete Bezüge und erregt, mit neuen Gegenständen verknüpft,Aufmerksamkeit, Nachdenken und Urteil.
In diesem Sinne ward meine Richtung gegen die Natur, besonders gegen diePflanzenwelt, bei einem schnellen Übergang über die Alpen lebhaft angeregt:Der Lärchenbaum, häufiger als sonst, die Zirbelnuß, eine neue Erscheinung,machten sogleich auf klimatischen Einfluß dringend aufmerksam. Andere
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