mächten, von Göttern, und aus ihren Historikern liest er nicht nur mehr oderminder gewissenhafte Hergangsberichte, sondern unzweideutige Glaubens-urkunden, nicht durch ihren Stoff, sondern durch ihren Gehalt. Ost undWest sind für ihn nicht nur Staats- oder Kultur- oder Wirtschaftsräume,sondern Kulturkräfte, und die verschiedenen Gewalthaber sind ihm nur diebewußten oder unbewußten Träger von ewigen Lebensordnungen, die umdie Herrschaft über die geschichtliche Menschheit ringen, hereinwaltend schonaus dem vormenschlichen und vorgeschichtlichen All: als weibliche Natur undmännlicher Geist — in ihrer Geschichtswerdung Hetärismus oder Mutterrechtund Vaterrecht. . Bachofen sieht in ihnen nicht nur ewige Gegensätze,sondern auch Entwicklungsstufen. In diese große kosmische Perspektivestellt er auch Cäsar. Roms Sendung ist die Unterwerfung der sinnlich stoff-lichen Natur, die in den östlichen Kulten herrschte, unter den männlichenGeist des Westens durch Gründung des patriarchalen Staates. Was die sinn-lichen Hellenen versuchten, vollbrachten die Römer: die Bindung der Naturdurch die sittliche Tat, die manngeistige Ordnung der Welt, den geistigenSieg über den Osten. Was in den Perserkriegen begann, im Alexanderzugflüchtig gelang, das vollendete die Zerstörung von Karthago und Jerusalem,die Schlachten von Pharsalus, Philippi und Aktium: den Sieg der westlichenGeistmächte über die östlichen Naturmächte. (Friedrich Gundolf, Cäsar imneunzehnten Jahrhundert, 1926.)
BERUF UND BERUFUNG: ROHDE UND NIETZSCHE
Wie bekannt, lernten sich Nietzsche und Rohde in Leipzig als Studenten kennen.Rohde ist schroff und verschlossen: „so schneidend und hart, daß man mirnicht recht nahe zu kommen wagt, und darunter leide ich am allermeisten",sagt er zwei Jahrzehnte später noch. Auch mit Nietzsche lag er sich ,,überdie meisten Dinge in den Haaren", aber wenn ihr Gespräch in die Tiefe ging,so waren sie harmonisch. So entstand eine echte geistige Freundschaft, „mitliebesartigen Schmerzen", deren Rausch ihr ganzes Leben färbte. Nietzschewar der Führende, aber nicht der schwächer Liebende. „Ich kann das Gefühlnicht ausdrücken, mit dem ich stets den Adel seiner Natur auf mich wirkenfühle und eine ganz besondere Poesie, die in seiner ganzen Atmosphäre liegt..",schreibt Rohde einem älteren Freunde, und in den Briefen an Nietzsche be-teuert er immer wieder, daß er nur ihm den Aufschwung seiner Seele ver-danke. Für Nietzsche aber ist Freundschaft die edelste Leidenschaft, dem ge-schlechtlichen Verhältnisse weit überlegen. „Wir beide sind Virtuosen aufeinem Instrument, das andere Menschen nicht anhören mögen und können,das uns aber tiefstes Entzücken bringt." Die Trennung durch den Ruf nachBasel, die Freundschaft mit Wagner stört die ältere Freundschaft nicht: auchRohde wird für Wagner gewonnen und in Triebschen eingeführt. Die Energieder Freundschaft kommt auf den Höhepunkt, als Rohde mit dem öffentlichenSendschreiben an Wagner den Angriff von Wilamowitz auf den Freund ver-achtend erwidert, eine Tat, die selbst den eigentlich widerwilligen Ritschi2 u jenem „Glückwunsche dem tapferen Dioskurenpaare" bewegt, und Nietzsche
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