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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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und komme sie aus der innersten Seele, aus ihren Kämpfen, ihren Zweifeln,ihrem Haß und ihrer Liebe, muß er abwehren. Denn es gibt nichts Höheres,Gottgewollteres, als Gottes Schöpfung zu erkennen, die Gedanken in seinenWerken noch einmal zu denken und den Zusammenhang zu ahnen, der siemit seinem Wesen, seinem Willen verknüpft. (Max Lenz, Geschichte derUniversität Berlin, ioio.)

KRITISCHE UND LEBENSGLÄUBIGE WISSENSCHAFT

Der große Geschichtsschreiber, der unter Hegels Herrschaft heraufkam,Theodor Mommsen, war ein versetzter Politiker oder Anwalt, und wie mächtigauch sein angeborener Forschertrieb ausgriff es wirkte darin weniger dasVerlangen nach einer reinen Ansicht der Vorwelt, als der Wille, durch Erkennt-nis und Lehre die Gegenwart mitzubestimmen, zu richten oder zu wandeln.Objektivität hat Ranke erstrebt und geglaubt, Burckhardt erstrebt und be-zweifelt . . Mommsen hat sich als Handelnder gefühlt und, bei dem selbst-verständlichen Begehr nach Wahrheit und Recht, keinem objektiven Ge-wissen, sondern einer bedingten Aufgabe seiner Zeit und seines Volkes gedient.Hegel, Ranke und Burckhardt, Kinder des deutschen Idealismus und deseuropäischen Humanismus, ehrten noch, ihren Erfahrungen zum Trotz,unwillkürlich einAn sich", Wahrheit oder Menschlichkeit oder Schönheitan sich, und ihreObjektivität" ist der Nachschein eines Gottesgefühls. Momm-sen leugnete die Menschlichkeit an sich: er anerkannte nur noch zeit- undraumbedingtes Menschtum und Volkstum. Er ist bereits Empiriker, und wassein Werk über die dürre Polyhistorie und selbstgenugsame Kleinmeisterei,das voraussetzungslose Wissen für das Wissen, hinaushebt, ist nicht die Weis-heit, die in den Erscheinungen Zeichen ewiger Ideen oder Gesetze sucht,sondern der Feuergeist, der in ihnen Werkzeuge und Tatkräfte wahrnimmt,im Vergangenen noch den Stoff und die Gewalt der Gegenwart empfindet undin die Vorwelt die Leiden und den Sturm der Mitwelt hineinträgt. Wenigerdie Helle, als die Glut, selbst die Hitze entnahm er dem Licht der Erkenntnis.Wohl war auch er ein Fanatiker der Wahrheit, besser noch der Wirklichkeit,und zwar von der Art Lessings, der das Finden und Suchen der Wahrheitwichtiger nahm als das Schauen, und dem das Zertrümmern von Irrtümernselbst tiefe Lust bereitet, um so tiefere, je ehrwürdiger und geheiligter dieseIrrtümer erschienen.

Aus der Aufklärung hatte er den dämonischen Widerwillen gegenVorurteile"mitbekommen, über die Romantik hinaus, die für ihn durchaus Reaktion be-deutete. Zu denreligiösen" Vorurteilen, für die er keine Schonung kannte,Wo es galt, der Wirklichkeit zu dienen, gehörte auch das überlieferte Schön-sehenklassischen" Altertums, der fromme Glaube an die Tugend- und Helden-bilder eines Livius und Cicero. Er protestiert mit Niebuhr und Wolf zusammenSegen den römischen Humanismus, wie einst Luther gegen den römischenKatholizismus. Sein Wirkungsdrang und sein Wirklichkeitseifer bedientensich der Wissenschaft, um die Arbeit Niebuhrs, die Herstellung der echten^ömergeschichte und die Zerstörung ihres romantisch-humanistischen Idols,

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