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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
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nun im Verein mit dem Bruder und den Freunden in Frankfurt tiefer auf sichwirken ließ. Ein Wort Fichtes fällt ihm ein: daß dies Lieben eines vergangenenLebens, nämlich seiner Idee, dies innerliche Treiben und Kennenlernen desAltertums in seiner Tiefe zu Gott führe. Wohl kommen ihm bitter empfundeneZweifel, Klagen über die Einsamkeit und Gleichgültigkeit, die Verschlossen-heit und die Kälte seiner Seele: ohne Glück und Unglück, ohne Liebe undFeindschaft, ohne Mißlingen und ohne Vollenden, wie der zwischenweltlicheGott des Epikur oder eine stoische Seele, lebe er dahin:Was ist doch diesungläubige, törichte, eitle Zweifeln in mir? Es beruhet gänzlich doch aufWelt und losgerissener Erscheinung, die für sich sein möchte und bestehenursprünglich und alles andere Erscheinen auch so fassen, und die Schöpfungleugnen; Gott aber ist sein selbst gewiß in allen Menschen." Aber es istniemals das selbstquälerische Grübeln, dem der Bruder sich ergeben, so wenigwie der Wunsch, die Umwelt politisch oder religiös umzuformen: das Ziel, demer nachstrebt, liegt an anderer Stelle.Das ist so gar süß, schwelgen in demReichtum aller Jahrhunderte, all die Helden zu sehen von Aug zu Aug, mit-zuleben noch einmal, und gedrängter fast, lebendiger fast: es ist so gar süß,und es ist so gar verführerisch!" so wogt es in ihm in Klopstockschen Rhyth-men.

Das Jahr 1822 müssen wir als dasjenige bezeichnen, in dem die EntwicklungRankes zu diesem Abschluß gelangte, sein Genius in sich gefestigt und seinesWeges bewußt ward. Noch fehlt es nicht an Unruhe und Zweifel, aber es be-ginnt doch bereits lichter um ihn zu werden.Es ist morgen das Ende derMichaelisferien. Täglich erweitert sich Kenntnis und Aussicht über die Welt-geschichte. Wer enthüllt Kern, Natur, lebend Leben des Individuums? Ichbin jetzt einer von denen, die am meisten bald verzweifeln, bald Hoffnungfassen, an sich, an andern, an allem." Diese Worte sind am 18. Oktober1822 geschrieben, an dem Gedenktage der Leipziger Schlacht, unter demEindruck tiefer Trauer über den Tod eines Freundes. Die persönliche Klageverbindet sich darin wieder mit den Gedanken, von denen Leopolds Seelevoll war:'AM' Itti toi Kai i\io\ öävaToc; Kai |ioipa KpaTairi weiter nichts?Ja, wenn man nur gewiß glaubte. Die Erde ist gar zu nah und hart unddunkel; und wir haben alle von der Granate gegessen, und schon oben sindwir den Unteren gefangen und verfallen. Alles, was auf Erden ist, gehthinab, nur der Sonnenstrahl nicht, und das Licht und die Farbe, die armeFarbe selbst allein ist überirdisch. Ob wir das an den Dingen gebrocheneLicht allein zurückspringen sähen, wenn die Dinge vergingen?" Die Strahlendes göttlichen Lichtes, gebrochen in der Welt Erscheinungen es ist das Bild,das ihm in tausendfachem Wechsel die Geschichte offenbart: das Licht derIdeen, das durch sie hindurchscheint. Ihm will er nahekommen, ihm mußer nahekommen; eben deshalb aber muß er die Natur, das Besondere, dieTatsache so genau wie irgend möglich erforschen. Alle Kraft der Phantasie,gezügelt in jedem Momente durch die Kritik, muß er darauf richten, ausschlie-ßen alles, was den Blick verdunkelt, aus welcher Sphäre es sich auch immerherandrängen möge, ob des Staates oder der Kirche, der Gesellschaft oder derFamilie, des allgemeinen oder des persönlichen Lebens; jede Beschränkung»

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