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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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chenbegeisterung, der Gottessehnsucht. So romantisch Wagners Hoffnungauf das nahe Paradies war, so ist sein Erlebnis doch echt, frei von Dogmen,stark durch Ahnung verborgener Kräfte. Wenn er auch das Christentum ab-lehnt, so sieht er doch nicht in der Rückkehr zu Hellas die Rettung, sondernin der Verbindung von Jesus und Apollo.Kunst und Revolution" schließt:,,So laßt uns denn den Altar der Zukunft, im Leben wie in der lebendigenKunst, den zwei erhabensten Lehrern der Menschheit errichten: Jesus,der für die Menschheit litt, und Apollon, der sie zu ihrer freudenvollen Würdeerhob I" (Kurt Hildebrandt, Wagner und Nietzsche, Ihr Kampf gegen das neun-zehnte Jahrhundert, 1924.)

DER NEUE KAMPF UM DAS DEUTSCH-GRIECHISCHE INBILD

Welches ist der neue herrschende Gedanke? Welches die GoethischeRich-tung, in welcher der Deutsche bestrebt sein soll, über sich und außer sichhinauszugehen?" Welches die ungeheure Traumzukunft des deutschen Wer-dens, die Nietzsche bedroht empfindet von der neudeutschen Selbstbescheidungmit einer Scheinverwirklichung und trügerischen Gegenwart, von vorzeitigemSelbstgenügen amReich", an nationaler Verengung und ihrer vermeintlicherreichten Kultur? Um welcher Hoffnungen willen diese leidenschaftliche,klagende und anklagende, fast verzweifelte Feindseligkeit gegen dieReichs-deutschheit", statt etwa einer kühlen Schopenhauerschen Gleichgültigkeitgegenüber politisch-staatlichen Entwicklungen, statt einer ironischen Re-signation, die doch einer wirklich echten inneren Hoffnungslosigkeit einzigangemessen wäre? Nietzsche gibt früh die Antwort, welche die Antwortseines Lebens geblieben ist: die höchste, die Bildung, Bildwerdung erkennt er,gleich nach dem Krieg,bis jetzt nur als Wiedererweckung des Hellenen-tums. Kampf gegen die Zivilisation . . . Herstellung des wahren deutschenGeistes . . .", so heißt es in den Vorarbeiten zum Vortrag über die Zukunftunserer Bildungsanstalten. Eine tiefe Prädestination des deutschen Wesens2 u innerer Hellenisierung, eine seltsame, dem gegenwärtigen Augenscheineso ganz widersprechende Verwandtschaft zwischen demwahren deutschenGeist" und dem Griechentum besteht für das Erleben des noch von Hölderlinsdeutscher Griechheit genährten jungen Nietzsche.Sehr geheimnisvoll undschwer zu erfassen ist das Band, welches wirklich zwischen dem innerstenputschen Wesen und dem griechischen Genius sich knüpft", so heißt es inJenem Vortrag selber. Und keine wirkliche Gestaltung und Bildwerdung desdeutschen werdenden Wesens ist möglich und denkbar,bevor nicht das edelsteBedürfnis des echten deutschen Geistes nach der Hand dieses griechischenGenius, wie nach einer festen Stütze im Strom der Barbarei hascht, bevora üs diesem deutschen Geiste nicht eine verzehrende Sehnsucht nach den Grie-ben hervorbricht, bevor nicht die mühsam errungene Fernsicht in die grie-c hische Heimat . . . zur Wallfahrtsstätte der besten und begabtesten Menschengeworden ist . . ." Noch allzulang ist ja für die mühselige Selbstbefreiung desdeutschen Geistes, für sein langes und problematisches inneres Selbstwerden,der Weg zu jener griechischen Heimat, zur Hölderlinheimat der deutschen

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