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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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endung als Weltherrscher wieder auftreten werde." Goethe aber sah hier nurdas titanische Hinausstreben über dasNiveau der menschlichen Empfin-dungen":Das will alles umfassen und verliert sich darüber immer ins Ele-mentarische". (Erich Wolff und Carl Petersen, Das Schicksal der Musikvon der Antike zur Gegenwart, 1923.)

VERMISCHUNG HEIDNISCHER UND ROMANTISCHER SEHNSUCHT

IN WAGNER

Wagner entstammt dem neunzehnten Jahrhundert, er hat die Göttlichkeitnicht mehr, aber schon nicht mehr die Resignation: er will den Fluch desJahrhunderts lösen und göttlich werden.Die Menschheit hat den einengroßen Zweck, einen Gott aus sich zu gebären", heißt es bei Hebbel. Bei ihmwars Theorie und Sehnsucht, bei Wagner unmittelbares Lebensgefühl undstolze Zuversicht. Gerade weil es tiefes Erlebnis ist, wird man nicht seinenunvermittelten Ausdruck in öffentlichen Schriften suchen. Wir finden ihnin den folgenden Jahren in den intimsten Schriften, den Briefen an Wesen-donks.Daß wir drei sind, ist doch etwas wunderbar Großes! Es ist unver-gleichlich, mein und Euer größter Triumph! Wir stehen unbegreiflich hochüber der Menschheit, unbegreiflich hoch! Das Edelste mußte einmal Wahr-heit werden: und das Wahre ist so unbegreiflich, weil es so ganz für sich ist."Und ein anderes Mal:Mein Kind, die Götter ehrten mich gestern mit demschönsten Tage dieses Jahres. Nie war es noch vollkommen heiter und klargeworden . . . Die Götter liebten mich, das machte mich lächeln . . ."Neben diesem Glück des Götterlieblings leidet er fast an der Aufgabe, selbstschaffender Gott zu sein. Er findet,daß zwischen dem Individuum und Gottkein gar so großer Unterschied bestehe, namentlich wenn jenes eben vonGott besessen sei, d. h. etwas Außergewöhnliches, nur selten Gelingendesund allen Zugutekommendes zu leisten instand gesetzt worden ist. Dochgenug der Überhebung, in der ich mich jedoch weniger stolz als leidendfühle!"

Auch in dieser angemaßten Göttlichkeit sehen wir die Zweideutigkeit dermythischen Gestalt Wagners. Er war nicht der Gott, für den er sich hielt-Aber wir bewundern seine Erkenntnis, daß es nicht zuerst auf die objektiveLeistung ankam, daß der Retter sich um seiner selbst willen, in sich selbst alsGott fühlen mußte. Die Zeit war nicht reif für das Erscheinen des Göttlichen,aber vielleicht war es notwendig, daß einer mit Ungestüm an diese Pfortenklopfte. Wagners Haltung ist überall zweideutig, nirgends ganz echt, abersein unbeugsamer Mut, sein Streben nach Vergöttlichung machen ihn zu einerGestalt in unsern mythischen Gefilden. Hier ist jener Wagner, der Großesvordeutet, die Wurzeln des Bildes, das auf Nietzsche einen so überwältigendenEindruck machte. Das ist jener Wagner, den wir als Erkennenden, als bösesGewissen des neunzehnten Jahrhunderts, als unsern frühesten Vorkämpferehren können, und der neben dem populären Komponisten noch so wenigbekannt ist. Seine revolutionäre Tat, sein wilder Protest gegen das Zeitaltersteht mitten in seinem Leben und mitten in seinem Jahr der glühenden Grie-

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