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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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Seele. Noch immer istdieser deutsche Geist, durch das edelste Bedürfnisan die Griechen gekettet, in schwerer Vergangenheit als ausdauernd undmutig bewährt, rein und erhaben in seinen Zielen, durch seine Kunst zurhöchsten Aufgabe befähigt, den modernen Menschen vom Fluche des Mo-dernen zu erlösen" noch immer ist dieser Geistverurteilt, abseits, seinemErbe entfremdet zu leben ..." Aber sein Erbe bleibt dies zeitlose Griechen-tum:Es ist etwas in den Deutschen, das hellenisch sein könnte," sagt eineStelle im Nachlaß der letzten Jahre,das erwacht bei der Berührung mit demSüden Winckelmann, Goethe, Mozart." Das griechische Wesen ist zugleichErbe und hinaufziehendes Vorphantom des deutschen Werdens: Hellas ist dieplatonische Idee einesdeutscheren" Deutschtums. Das Wort Pindars, dasNietzsche sich zum Lebensvorspruch wählte, das ihn von früh an bis zuletztleitete und begleitete und das auch in den Zarathustra eingegangen ist: f £voi'olo? £o"0"i,Werde der du bist!" dieser pindarische Ruf gilt auch seinemdeutschen Menschen. Werde, was du schon bist: werde Ich! das ist derimmer erneute, mystisch zweideutige Ruf des Griechischen Menschen überdie Jahrtausende hinweg; und unruhig vernimmt das deutsche Gewissen diesehalb mahnende, halb verheißende Stimme, wie eine Überredung zur Liebe,zur verwandelnden Liebe.Mensch, was du liebst, in das wirst du verwandeltwerden" so mahnt die Stimme, und jeneverzehrende Sehnsucht nach denGriechen", welche aus dem deutschen Geist immer und immer wieder, wie einUrfeuer hervorbricht, ist nur der Ausdruck des Willens, sich zu verwandelnin sein eigentlicheres Selbst, zu werden, was er im Grunde ist. Die übertrie-bene deutsche Aufnahmesucht, die Überdankbarkeit im Lernen und Assi-milieren gerade antiker hellenischer Erbschaft ist schon eine Form diesesGriechenheimwehs:Ein Werdender wird immer dankbar sein . . . man lerntüberhaupt nur von dem, den man liebt", erkannte der größte und dankbarsteunter den deutschen Schülern der Griechen. Diese edelste und älteste Tra-dition deutschen Wesens: der Verwandlungswille und die Vollkommenheits-sehnsucht zum Griechischen hinauf gerade sie sah Nietzsche von jener bösenSelbstzufriedenheit bedroht, die nach 1870 das deutsche Werden mit demgiftigen Wahn eines vorzeitigen Seins zu lähmen schien. Er sah den Sinnseiner geistigen Existenz gefährdet, einer typisch werdenden Existenz (nurwer sich wandelt, bleibt mit mir verwandt"), eines vorbildlich deutsch-helle-nischen Suchens undWallfahrtens" nach einer griechischen Seelenheimat.(Ernst Bertram, Nietzsche, 1918.)

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