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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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eigentümlich blieb, erklärt sich das Übermäßige in seinen Schöpfungen. Geradediese Erkenntnis aber, welch großen Widerspruch er zu überwinden hatte,

läßt uns die Größe und Gewalt des Meisters bewundern.-----

Die Phantasie und die Schauensgewalt steigert sich bis zur Gewaltsamkeit,bis zum Grellen in den Farbenwirkungen, zum Übermaß in den Bewegungs-erscheinungen; wie das Wellengewoge in seinen Meeresbildern stürmt es inseinem Geiste. Wem haben sich nicht neben noch gemäßigteren, wie demTriptychon: Venus genetrix, so ungestüme Gebilde, wie die Pest, der Krieg,die Ruine am Meer eingeprägt? Es ist ein letztes und äußerstes Betonen derFreiheit, die sich der Künstler errungen. Staunend, ja in fieberhafte Erregungversetzt, bleiben wir vor Gestaltungen stehen, in denen die Harmonie seinerfrüheren Zeit zugrunde zu gehen scheint. Niemand aber, der die notwendigeSteigerung in dieser Tätigkeit verfolgt und die miteinander ringenden Ele-mente erkennen gelernt hat, wird es wagen, Kritik auszuüben, vielmehr mitSchauer angesichts eines Strebens, das bis zu so ungeheurem Ausdruck derAffekte gelangte, sich bewußt werden, wie leidenschaftlich die Seele, wiekühn die Phantasie und wie feurig die Schauenskraft dieses großen Malerswaren. (Henry Thode, Böcklin, 1905.)

DER HERRSCHER DES IMAGINÄREN REICHES DER MUSIK

Mit Beethoven brach der revolutionäre Wille sprengend in den Klangkörperund aus ihm ins Leben selbst hinaus. Es ist der Augenblick, wo die Musik,bis dahin Vergangenes spiegelnd, das Tempo des europäischen Einsturzeseinholt und sogleich rasend überflügelt, wo die gewaltsamste Gesetzmäßigkeitden aufschäumenden Wirbel nur noch mit äußerster Mühe bändigt.Durch den Titanen wird der sprengende Riß, den die Revolution durch dasGesellschaftsgefüge des Abendlandes gelegt hatte, auch im geistigen Aufbaudeutlich sichtbar. Die Symphonie ist entstanden aus dem Drang nach derletzten noch möglichen Ruhelage der Seele im Anschauen ihres entkörpertenBewegungsgesetzes. Wenn aber in ihr auch die Seelenmechanik des aus ein-heitlicher Seele handelnden Menschen im Gegeneinander der an den Themensich auswirkenden Kräfte, in der Zusammenwirkung der melodischen Ein-heit aus ihren harmonisch, kontrapunktisch, rhythmisch entwickelten Ele-menten die Antriebe des heldischen Tuns gespenstisch aufgefangen sind, wennwir die Eroica als den im Fremdesten verwandten Gegenpol zu ShakespearesHeldendramen, die 9. Symphonie zum Hamlet zu bezeichnen wagen, so zeig*das Zerreißen der Widmung der Eroika an Napoleon bei der Nachricht derKaiserproklamation, wie es sogar für das Bewußtsein Beethovens nicht dieweltschaffende heroische Gestalt, sondern die Sehnsucht nach gewaltsamerÜberbrückung der im Geiste gesetzten Entzweiung, nach dem leibfremdeflIdeal der Aufhebung des Kampfes in der Tonika der Allbefriedung, des Unter-sinkens in der vollkommenen, bewegungslosen Harmonie war, was ihn » nden rasenden Sturm peitschte. Aber seinewiger Hunger" nach dem EmP'finden der Harmonie in der Welt trieb ihn, das, was ihmeben erschöpftschien mit dem letzten Paukenschlag, wie ein Kind von neuem anzufangen >

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