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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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unbewußtem schöpferischen Drange gehorchender Fingerspitzen gewesensein. Am weitesten sehen wir diese Anschauung von Achim von Arnim ver-folgt, der in der NovelleRaffael und seine Nachbarinnen" Raffael darstellt,wie er in magnetischen Schlaf versunken seinem Gehilfen Baviera die Linienund den Farbenauftrag eines Gemäldes in die Hand und in den Pinsel dik-tiert, das auf diese Weise vollendet wird. Raffael malt mit geschlossenenAugen und ohne selbst Hand anzulegen! Größere Kreise fanden ihr Genügenin solchen Absonderlichkeiten. Enthielt doch Goethes Faust soviel Überein-stimmendes, daß die Nazarener Goethe als einen der Ihrigen ansehen zudürfen glaubten, bis das Erscheinen derItalienischen Reise" sie eines besse-ren belehrte. (Hermann Grimm, Das Leben Raffaels, 1886.)

ZURÜCKTAUCHEN DES ANTIKISCHEN MENSCHENBILDESINS ELEMENTAR NATURHAFTE

In Böcklins Gemälden sehen wir zwei Welten zu einem Bunde vereinigt:die eine ist das malerische Ideal der modernen Landschaft die andere dasplastische Ideal des antiken Menschen. Dieser wird in eine Landschaft ein-bezogen, die dem Bedürfnis der modernen Seele, sich in der Natur wieder-zuerkennen, entspricht. Hierdurch, wie mich dünkt, wurden die wesent-lichen Stilerscheinungen bedingt. Indem einerseits die Landschaft dem Men-schen angenähert werden muß, hat sie einen plastischen Charakter in ihrenEinzelgebilden anzunehmen, indem andererseits der Mensch in der Natur auf-gehen soll, muß er von seiner plastischen Bestimmtheit einbüßen. Jene scharfe,körperliche Ausgestaltung der landschaftlichen Einzelheiten wird erstensdurch die Wahl der südlichen Natur mit ihrer klaren Abgegrenztheit desGegenständlichen, das in jedem Detail durchgebildet wird, und zweitens durchkräftige Betonung der Farbenverschiedenheiten und -kontraste behufs einesdeutlichen Sichabhebens der einen Erscheinung von der anderen erreicht.Felsen, Bäume, Wolken, Wellen erhalten eine so ausgeprägte Körperlichkeit,daß sie, von starkem Eindruck, dem menschlichen Organismus gleichsamVerwandt, eine Art Gleichberechtigung mit diesem als Form gewinnen. DerMensch aber muß an Bestimmtheit seines ganzen Gefüges verlieren und sichden Elementen, dem Animalischen und der Vegetation anbequemen. Da er-fahren die Frauen, oft bis zur Körperlosigkeit entmaterialisiert, bei sinnen-dem träumerischen Dasein eine Umwandlung in der äußeren Erscheinungnach der Seite des sensitiven Blumen- und Pflanzenhaften, da wird bei denMännlichen Wesen durch Betonen des drastisch Sinnlichen, durch Steigernder Affekte bis zum Grotesken, Gewaltsamen, Dämonischen die Annäherunga n das Elementare und Tierische erreicht. Ermöglicht, ja erzwungen wurdedieser Bund von Natur und Mensch nur mit Hilfe eines überwältigendenEindruckes der Farben, durch den wir bestimmt werden, selbst das Seltsamsteü nd Abenteuerlichste dieser kühnen Einbildungskraft als glaubwürdig und not-wendig hinzunehmen. Deutet man sich in solcher Weise Böcklins Stil, seinp austsches Werben um Helena, so erklärt es sich auch von dieser Seite, wieaiJ s dem Wesen seiner Persönlichkeit, daß etwas Gewaltsames seiner Kunst

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