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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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geordnet, wo doch überall bei den disparatsten Szenen Seele der Begeben-heit atmet, wo örter, Zeiten, Umstände, selbst, möchte ich sagen, die heid-nische Schicksals- und Sternenphilosophie, die durchweg herrscht, so zudiesem Ganzen gehören, daß ich Nichts verändern, versetzen, aus andernStücken hierher oder hieraus in andre Stücke bringen könnte. Und das wärekein Drama? Shakespeare kein dramatischer Dichter? Der hundert Auf-tritte einer Weltbegebenheit mit dem Arm umfaßt, mit dem Blick ordnet,mit der Einen durchhauchenden, alles belebenden Seele erfüllet, und nichtAufmerksamkeit: Herz, alle Leidenschaften, die ganze Seele von Anfang biszu Ende fortreißt wenn nicht mehr, so soll Vater Aristoteles zeugen,die Größe des lebendigen Geschöpfs darf nur mit Einem Blick übersehenwerden können" und hier Himmel I wie wird das Ganze der Begeben-heit mit tiefster Seele fortgefühlt und geendet 1 Eine Welt dramatischer Ge-schichte, so groß und tief wie die Natur, aber der Schöpfer gibt uns Auge, so

groß und tief zu sehen.-------

Wenn ein Engel der Vorsehung menschliche Leidenschaften gegeneinander ab-wog und Seelen und Charaktere gruppierte und ihnen Anlässe, wo jedes imWahn des Freien handelt, zuführt, und er sie alle mit diesem Wahne, als mitder Kette des Schicksals zu seiner Idee leitet so war der menschliche Geist,der hier entwarf, sann, zeichnete, lenkte. (Herder, Shakespeare, 1773.)

Die größten Qualen, sowie die meisten, welchen der Mensch ausgesetzt seinkann, entspringen aus den einem jeden inwohnenden Mißverhältnissen zwi-schen Sollen und Wollen, sodann aber zwischen Sollen und Vollbringen,Wollen und Vollbringen, und diese sind es, die ihn auf seinem Lebensgange sooft in Verlegenheit setzen. Die geringste Verlegenheit, die aus einem leichtenIrrtum, der unerwartet und schadlos gelöst werden kann, entspringt, gibt dieAnlage zu lächerlichen Situationen. Die höchste Verlegenheit hingegen, un-auflöslich oder unaufgelöst, bringt uns die tragischen Momente dar.Vorherrschend in den alten Dichtungen ist das Unverhältnis zwischen SollenUnd Vollbringen, in den neueren zwischen Wollen und Vollbringen. Mannehme diesen durchgreifenden Unterschied unter die übrigen Gegenständeeinstweilen auf und versuche, ob sich damit etwas leisten lasse. Vorherr-schend, sagt' ich, sind in beiden Epochen bald diese, bald jene Seite; weil aberSollen und Wollen im Menschen nicht radikal getrennt werden kann, so müssenüberall beide Ansichten zugleich, wenn schon die eine vorwaltend und dieandere untergeordnet gefunden werden. Das Sollen wird dem Menschen auf-erlegt, das Muß ist eine harte Nuß; das Wollen legt der Mensch sich selbstauf, des Menschen Wille ist sein Himmelreich. Ein beharrendes Sollen istlästig, Unvermögen des Vollbringens fürchterlich, ein beharrliches Wollenerfreulich, und bei einem festen Willen kann man sich sogar über das Un-

v ermögen des Vollbringens getröstet sehen.-------

*H» alte Tragödie beruht auf einem unausweichlichen Sollen, das durch einentgegenwirkendes Wollen nur geschärft und beschleunigt wird. Hier ist der

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