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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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,,zugleich als Schöpfer und als Bild der Regel". Aber dies nur, weil er durchdie damalige Ausbildung der deutschen Sprache der Pflicht überhoben war,Sprachschöpfer zu sein, das heißt Eigenes zu erleben, um gewissen, noch nichtentdeckten Seelenwerten im Shakespeare die Sprachäquivalente zu schaffen.Als bloßer Sprachmeister konnte er seine Aufgabe erfüllen, weil ihm Goethedurch sein Urerlebnis und die Gesamtromantik als Tendenz verkörpert vorallem in seinem Bruder durch ihr Spracherlebnis vorgearbeitet. Daranwar ja Wieland gescheitert, daran wäre selbst Herder gescheitert: daß Shake-speares Urerlebnis einfach noch nicht deutsches Spracherlebnis werden konnte,ehe eine Universalseele wie Goethe das deutsche Wort gereift hatte zum un-gefähren Ausdruck des Shakespeare als eines Ganzen. Man sieht abermals,wie wenig der Zeitpunkt, wann eine geistige Erscheinung hervortritt, Zufallist.--------Die zwei großen Dinge, deren Synthese zu vollziehen diese außer-ordentliche und unpersönliche Begabung berufen war, sind also Goethes Er-lebnis der Welt als einer geistig-sinnlichen Gestalt und das romantische Er-lebnis der Sprache als einer geistig-sinnlichen Bewegung. Jenes lieferte ihmdie sprachliche Fülle, dieses die sprachliche Gewandtheit.Aus dieser Synthese selbst entstand etwas Neues; denn das Goethische Erlebnisdes Weltganzen war qualitativ anders als das Shakespeares, und die roman-tische Sprachgewalt auf Shakespeares Urerlebnis angewandt, schuf einenneuen Komplex. Was Wieland, Herder, Goethe, Schiller, Tieck vereinzeltals Shakespeares Gehalt wieder zugänglich gemacht hatten, die Natur, dieGeschichte, den Menschen, die Sinnlichkeit, den Traum, die Leidenschaft,die Freiheit, die Landschaft, die Atmosphäre, das Zauberhafte als Lebensprin-zipien das war jetzt synthetisch vereinigte Gestalt geworden und Sprach-ganzes. Die Wiedergeburt Shakespeares als eines deutschen Sprachganzenist das absolut Neue, das Welthistorische an der Übersetzung Schlegels. AllesÜbrige, die Wiederentdeckung von Shakespeares Gehalt, haben andere teil-weise oder ganz vor ihm geleistet: doch erst die Übersetzung hat diesen schwei-fenden, unfaßbar wirksamen Gehalt in den deutschen Geist gebannt, ihn ver-körpert in seiner gemäßen Gestalt. Die Gestalt selbst war damit für das Welt-alter, dem die Übersetzung angehört, als Ganzes wieder beschworen, sie standvon allen Seiten her zugänglich, frei und ausstrahlend inmitten des geistigenRaums. Man konnte mehr oder minder nahe herantreten und ihre Detailserforschen, man konnte ihr gegenüber verschiedene Standpunkte wählen,ihren Ausstrahlungen sich näher oder ferner hingeben: die Gestalt blieb anihrem Platz und bildete sich nicht um, veränderte nicht ihre Struktur und ihrenUmfang, ehe nicht das Weltgefühl selbst sich verwandelte. Dann erst konn-ten wieder Geister kommen, die sie nicht nur von einem anderen Standpunktaus, sondern als ein anderes Wesen sahen mit neuen Augen, ein neues Lebenin ihr entdeckten, eine neue Strahlung von ihr empfingen, welche die Gestaltselbst sowie die Beschauer verwandelte.

Aber ein Jahrhundert verging, ehe dieser Wandel fühlbar wurde, ehe mitNietzsches Auftreten eine neue Wirklichkeit und die neuen Organe dafür sicha nkündigten, die auch das Shakespearebild mit der Zeit einer Verwandlung,s ei es Vertiefung, sei es Erweiterung, unterziehen werden. Es ist ja das Wun-

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